Archives for März 2015

„Raus aus dem Nischenmarkt der Überzeugungstäter“

Die Organisation Climate-KIC fördert mit verschiedenen Programmen grüne Geschäftsideen. Kommunikationschefin Sabine Arras erklärt, worauf sie bei der Auswahl achten, was Erfolgsfaktoren für grünes Gründen sind und was die Gründer mitbringen sollten.
Climate-Kic
Climate-KIC fördert Innovationen durch große und kleine sowie lokale und globale kreative Partnerschaften zwischen privatem, öffentlichem und akademischem Sektor. Ziel ist es, dem Klimawandel zu begegnen. Die Partner bringen ihre Branchenerfahrung ein und sind in nationalen oder regionalen Zentrum organisiert.

Sie fördern Gründer-Ideen im nachhaltigen Bereich. Wie schwer ist es, hier tatsächlich tragende Geschäftsmodelle zu finden, also solche, die auch unabhängig von Spenden und öffentlichen Geldern funktionieren?

Was sich langfristig trägt, hängt von vielen Faktoren ab und ist natürlich erst nach einigen Jahren wirklich beurteilbar. Wir sehen allerdings viele gute Ideen mit vielversprechenden Geschäftsmodellen, die sich daran ganz klassisch an Bedarf, Zahlungsbereitschaft und relevantem Markt orientieren. Wenn „Nachhaltigkeit“ zum alleinigen oder entscheidenden Verkaufsargument wird, ohne dass das Produkt ein spezifisches Problem löst, wird’s meistens schwierig. Dann bleibt man im Nischenmarkt der Überzeugungstäter hängen oder ist eben vielleicht einfach kein Business, sondern eher eine gemeinnützige Organisation, die sich auch über Spenden und Fördermittel finanziert. Die sind dann allerdings in der Regel nicht in unseren Programme zu finden.

Welche Projekte sind denn zum Beispiel aus Ihren Programmen hervorgegangen?

Im Start-up Bereich sind tado, Thermondo und ECF Farmsystems Namen, die man kennen könnte. Aus dem Bereich der Innovationsprojekte hat gerade der Global Calculator einige Aufmerksamkeit bekommen. An der Entwicklung war zum Beispiel die Climate Media Factory beteiligt, ein kleines Potsdamer Unternehmen.(Anmerkung: Ein Interview mit der Climate Media Factory gibt es hier.)

Gibt es Erfolgsfaktoren, die Sie im Laufe der Zeit ausmachen konnten?

Ja, das kann man schon sagen. Wichtig sind erstmal das richtige Netzwerk und brauchbare Kontakte, genauso wie ein gutes Team. Durchhaltevermögen, Iterationsbereitschaft hinsichtlich Idee und Geschäftsmodell und finanzielle Mittel zur Überbrückung von Durststrecken gehören ebenfalls dazu. Wichtig ist im Verlauf auch weiterhin die Kontaktfähigkeit.

Diese Anforderungen gibt es ja auch an Gründer allgemein. Was müssen grüne Gründer speziell mitbringen?

So sehr zu unterscheiden ist das auch nicht. Das Wichtigste ist der Wille, Unternehmer zu sein. Im noch engeren Cleantech-Bereich ist dann wohl noch mehr Ausdauer als bei anderen Gründungen gefragt und ein noch fokussierteres Expertennetzwerk.

Gibt es denn dann den typischen grünen Gründer?

Wir sehen drei Typen grüner Gründer: Die einen sind Gründer und entdecken ein Geschäft mit einer „grünen Idee“. Die anderen trägt die Motivation, etwas im Klimaschutz bewirken zu wollen, die bauen sich dann ein Geschäftsmodell um eine Idee. Und die Dritten entwickeln aus einer fachlichen Idee ein Geschäft.

Sabine Arras ist Leiterin Kommunikation bei Climate-KIC

Sabine Arras ist Leiterin Kommunikation bei Climate-KIC

Das Spektrum scheint ja dann doch sehr breit zu sein. Wann gilt für Sie eine Geschäftsidee als nachhaltig?

Man könnte es auf die Formel bringen: Klima-Impact multipliziert mit Skalierbarkeit plus Umsetzungsfähigkeit macht: ein vielversprechendes Konzept. Den Begriff Nachhaltigkeit verwenden wir eigentlich nicht, weil er so unspezifisch ist.

In welchem Stadium müssen Ideen sein, damit sie von bei Ihnen gefördert werden?

Kommt auf die Zielgruppe an. Bei den Studenten sind die Ideen natürlich ganz am Anfang. Da geht es uns aber auch eher darum, dem Nachwuchs Methoden und Tools an die Hand zu geben. Wir gehen nicht davon aus, dass aus den Ideen immer auch ein Business wird. Die Start Ups müssen natürlich weiter sein, ihre Idee und den Markt schon mal grundsätzlich durchdacht und überlegt haben, wie sie das angehen würden. Unser Programm dient dann der Beschleunigung die Idee zum Produkt und zum Markt zu bringen. Bei den Innovationsprojekten sollen schon ganz konkrete Ideen da sein, die dann noch zur Reife entwickelt werden.

Was würden Sie angehenden Gründern raten, wie sie ihre Ideen vorantreiben können? Können Sie hier Tipps geben?

Da zitiere ich gern Dr. Maura Kessel, unsere Accelerator Programm Managerin: Die empfiehlt immer, die Ideen direkt mit potentiellen Kunden zu besprechen, damit die Gründer nicht „das perfekte Produkt ihrer eigenen Welt“ entwickeln, sondern das auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkt. Um so schneller ein Prototyp oder sogar ein Pilot vorhanden ist, um so besser kann man das Produkt testen und weiter konzipieren. Und die Glaubwürdigkeit steigt, sobald etwas sichtbar geworden ist.

Eine Übersicht über alle Förderungen für Studenten, angehende und bereits aktive Unternehmer gibt es auf der Webseite von Climate-KIC.

Mehr Interviews, Geschichten und Ideen gibt es auf goodimpact.org.

Jobs für Agrarwissenschaftler

Wer Agrarwissenschaften studiert, kann danach in zahlreichen Branchen arbeiten. Zum Beispiel als Pflanzenforscherin, Weinzüchter, Agrarjournalistin oder als Referentin für Tierzucht, wie Katharina Hamacher für den Wissenschaftsladen Bonn beschreibt.

Sie arbeiten in Wirtschaft, Wissenschaft und Lehre, in der praktischen Landwirtschaft, in Behörden, Kammern und Verbänden, als Fachjournalisten oder bei Banken und Versicherungen: In kaum einem anderen Berufsfeld sind die möglichen Einsatzbereiche so vielfältig wie bei Agrarleuten. „Es gibt eigentlich nichts, was eine Agrarwissenschaftlerin oder ein Agrarwissenschaftler nicht kann“, sagt Markus Ebel-Waldmann, Präsident des VDL-Bundesverbandes Agrar, Ernährung, Umwelt.

Ihre Vielseitigkeit verdanken die Agrarwissenschaftler ihrem umfassenden, sehr breit aufgestellten Studium. Nachdem zunächst Fächer wie Mathematik, Chemie, Physik, Biologie, Anatomie und Physiologie der Nutztiere, Betriebs- oder Volkswirtschaft im Mittelpunkt stehen, spezialisieren sich die Studierenden später entweder in Richtung Pflanzenwissenschaften, Tierwissenschaften oder Ökonomie. Absolventen arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen, die eine große Vielfalt an Arbeitsplätzen mit ebenso unterschiedlichen Anforderungsprofilen bieten.

Hier geht es zu vier Beispielen von Jobs für Agrarwissenschaftler.

In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Arbeitsfelder allerdings stark vom öffentlichen Dienst in die Privatwirtschaft verlagert, beobachtet der VDL-Präsident. In den 1970er und 80er Jahren waren Agrarwissenschaftler überwiegend in Ministerien, Agrar- und Umweltämtern sowie in landwirtschaftlichen Kammern untergekommen, wo sie beispielsweise Standards im Agrarbereich prüfen und überwachen. Inzwischen übernehmen sie auch viele administrative Aufgaben im halbstaatlichen Bereich.

Bei Banken und Versicherungen beraten die Fachleute Kunden aus dem Agrarbereich, führen in der Industrie neue Produkte ein oder sind in Vertrieb und Marketing im Groß- und Einzelhandel für Futter und Düngemittel zuständig. Und: „Forschung und Entwicklung hatten schon immer einen hohen Stellenwert, das ist auch heute noch so“, sagt Ebel-Waldmann. Agrarwissenschaftler, die im produktionstechnisch-naturwissenschaftlichen Bereich des Landbaus arbeiten, werden auch Agraringenieure genannt.

Andere Bereiche sind in den vergangenen Jahren zunehmend populärer geworden: „In keinem anderen Studiengang gibt es so viele Nischen, die sich fortlaufend weiterentwickeln“, beobachtet der Präsident des Bundesberufsverbandes. „Dazu gehören zum Beispiel die Bereiche Ressourcen- und Umweltmanagement, aus denen sich stabile, eigenständige Berufsfelder gebildet haben.“ Auch Themen wie Qualitätsmanagement, Gentechnologie und der gesamte Sektor der biologischen Landwirtschaft sind sehr zukunftsträchtig. Oft unterschätzt wird der Vertrieb von Nahrungs-, Futter- und Düngemitteln: Obwohl der Innen- und Außendienst in Wirtschaftsunternehmen nicht oben auf der Wunschliste junger Absolventen steht, ist jeder Fünfte in diesem Bereich tätig. Einer vorsichtigen Schätzung nach arbeiten in Deutschland 250.000 bis 300.000 akademische Agrarleute.

Zunehmend weniger beliebt ist die Arbeit in der praktischen Landwirtschaft: Maximal jeder Zehnte ist heute bei einem landwirtschaftlichen Betrieb tätig, schätzt der Berufsverband. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf das Studium: „Durch die Umstellung vom Diplomstudiengang auf Bachelor und Master gab es eine Explosion von Studiengängen“, sagt Ebel-Waldmann. Inzwischen gibt es über 200 verschiedene Möglichkeiten zur Schwerpunktsetzung – eine Entwicklung, die der VDL sehr kritisch beobachtet: „Bei einer solchen Vielfalt ist es wichtig, dass die Studiengänge transparent gestaltet werden. Das ist leider nicht immer so.“ Interessierte sollten auf eine gute Beratung achten und Schwerpunkte wählen, die den eigenen Neigungen entsprechen. Das lässt sich am besten über vielfältige Praktika herausfinden.

Generell ist praktische Erfahrung das A und O im Agrarbereich. Eine starke Persönlichkeit, der Blick über den Tellerrand und Engagement außerhalb der Hochschule zählen bei Personalern mehr als Noten und Regelstudienzeit. „Herzblut und Authentizität sind ganz wichtig“, sagt Markus Ebel-Waldmann. „Unser Beruf ist immer ein Stück weit Berufung, das sollte auch im Lebenslauf deutlich werden.“

Unabhängig davon, in welchem Bereich sie arbeiten: Der Anspruch ist groß. „Agrarwissenschaftler sollten ausgeprägte technische und ökonomische Qualitäten mitbringen, die Sprache der Landwirte verstehen und einen großen Praxisbezug aufweisen“, sagt der VDL-Präsident. Neben Leidenschaft für den grünen Sektor gehören Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, selbstständiges Arbeiten und problemlösungsorientiertes Denken zu den Kernkompetenzen. Mehrsprachigkeit gilt inzwischen als Voraussetzung, da internationale Zusammenarbeit immer wichtiger wird.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, muss sich um seine berufliche Zukunft in der Regel keine Sorgen machen. Eine Studie der Uni Kiel belegt, dass gut die Hälfte der Absolventen einen Monat nach ihrem Abschluss die erste Stelle findet. Nach drei Monaten sind es bereits Dreiviertel. Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, da sich laut der Studie etwa die Hälfte der Absolventen erst unmittelbar vor Studienabschluss um einen Job bemüht.

Mit Blick auf den demographischen Wandel ist in den kommenden Jahren ein Fachkräftemangel zu erwarten, sagt der Berufsverband. Erneuerbare Energien sind nach wie vor ein wachsender Sektor, im Bereich Landtechnik fehlen schon jetzt gut ausgebildete Leute. „Qualitativ betrachtet, haben wir schon jetzt zu wenig Nachwuchs in der Branche“, sagt Ebel-Waldmann. Um Geld zu sparen, haben viele Hochschulen in den vergangenen Jahren fachspezifische Professuren etwa im Bereich Landmaschinentechnik eingespart. Darunter leidet die Lehre und somit die Ausbildung des Nachwuchses, beobachtet der VDL mit Sorge.“

Arbeitsmarkt-Umweltschutz-NaturwissenschaftenDer Artikel ist im Informationsdienst arbeitsmarkt Umweltschutz, Naturwissenschaften erschienen. Jede Woche werden mehrere hundert qualifzierte und aktuelle Stellenangebote aus dem Umweltbereich recherchiert und nach Tätigkeitsgebieten sortiert. Herausgeber ist der Wissenschaftsladen Bonn.

Vertrauensvoll und „auf Augenhöhe“ zusammenarbeiten – die neue Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts

Das greenjobs.de-NetcastIntrinsify.me – ein Netzwerk für die neue Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts

Vor einigen Wochen wurde in Hamburg der Film Augenhöhe vorgestellt, ein Dokumentarfilm, der Beispiele eingefangen hat, wie Menschen heute im 21. Jahrhundert zusammenarbeiten können. Es geht um Vertrauen, um die Abkehr von klassischen Hierarchien, um Selbstorganisation usw. Dieser Film entstand aus einem Netzwerk heraus, das sich intrinsify.me nennt. Er wurde durch Crowdfunding finanziert und er soll als Katalysator für die Diskussion um diese neuen Arbeitswelten dienen.

Mark Poppenborg ist einer der Gründer des Netzwerkes intrinsify.me. Im Interview sprechen wir mit ihm über den Film, über moderne Unternehmen, in denen Menschen „auf Augenhöhe“ miteinander zusammen arbeiten und darüber, wie man diese identifizieren kann.

Hier ein paar Highlights aus dem Gespräch:

  • Unternehmen müssen heute viel schneller und flexibler reagieren, als z.B. zu Beginn der industriellen Revolution. Dazu benötigt es neue Formen der Zusammenarbeit, die nicht auf stures „Abarbeiten“ fokussieren, sondern auf Mitdenken und Selbstorganisieren. Alle Mitarbeitenden in einem Unternehmen wirken daran mit.
  • Diese Ideen sind in der IT-Branche seit einigen Jahren unter dem Schlagwort „Agile Development“ in aller Munde, aber sie halten zunehmend auch in ganz anderen Branchen Einzug.
  • Für alle Mitarbeitenden – aber gerade für Führungskräfte, die jahrelang andere Formen der Zusammenarbeit praktiziert haben, kann dies eine Herausforderung sein. Oftmals ist sie aber eine Erlösung.
  • Viele Unternehmen schreiben heute über sich selbst, dass man „vertraunsvoll miteinander umgehe“ oder ähnliches. Mark aber empfiehlt, genauer hinzuschauen und gegebenfalls auch nachzufragen, um herauszufinden, ob das Unternehmen tatsächlich diese neuen Ideen verinnerlicht hat.

Wer mehr über diese Ideen erfahren möchte, wer Beispiele aus ganz unterschiedlichen Branchen sucht, der sollte einmal zu einem der intrinsify.me-Events gehen, entweder den lokalen Stammtischen (den sogenannten „Stypetischen“) oder zu den alle paar Monate stattfindenden Wevents. Als Einstieg ins Thema eignet sich natürlich der Augenhöhe-Film. Und auch ARTE hat im Februar einen Film mit ähnlicher Intention veröffentlicht: „Mein Wunderbarer Arbeitsplatz“.

Ausschnitt aus dem Film Augenhöhe

 

Veranstaltungshinweise

  • Am 20. März 2015 veranstaltet die Messe new energy husum einen Career Day. Dort gibt es Informationen zu Jobs und Praktika, außerdem wird ein Bewerbungsmappen-Check angeboten und vieles mehr! Das ganze findet statt in Husum, am 20. März zwischen 9 und 18h. Weitere Infos unter www.new-energy.de
  • Am 20. und 21. März findet in Bremen die Messe zukunftsenergien nordwest statt. Unsere Kollegin Ute Meyer-Heinemann ist dort mit einem Stand vertreten und wird auch einen Vortrag zum Thema „Karriereperspektiven – Wen sucht die Erneuerbaren-Energien-Branche?“ halten. Der findet statt am 1. Messtag, dem 20. März von 12:45 bis 13:15h. Alle Infos zu dieser Messe unter www.zukunftsenergien-nordwest.de

 

Bitte mitmachen: Jobbörsen-Bewertung von Crosspro/Profilio

Hier eine Bitte an alle Nutzerinnen und Nutzer von greenjobs.de bzw. eejobs.de: Die Firma Crosspro bzw. Profilio macht seit langem eine jährliche Jobbörsenbewertung – und diese basiert ganz wesentlich auf den Rückmeldungen von Euch bzw. von Arbeitgebern, die unsere Jobbörse nutzen. In 2014 kamen wir auf den 3. Platz im Berufsfeld Naturwissenschaften. Bitte macht mit und sagt, was Euch an greenjobs.de/eejobs.de gefällt und was vielleicht auch nicht so gut läuft. Unter allen Teilnehmenden verteilt Crosspro am Ende auch ein paar Bonuspreise, z.B. ein Amazon-Gutschein in Höhe von 300 EUR. Bitte gib hier Deine Jobbörsen-Bewertung für uns ab.

 

In dieser Episode verwendete Musik:
I dunno“ – von grapes unter der Mitwirkung von J.Lang und Morusque
Improvisation on Sunday“ – von Alex unter der Mitwirkung von The3amAssociation

 

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