Arbeiten im Bodenschutz: Die Großreinemacher

Helga Rupp hat an der Universität Bayreuth Geoökologie studiert und gründete 2004 mit der rupp.bodenschutz GmbH ihr eigenes Ingenieurbüro für Altlasten und Bodenschutz in der bayerischen Oberpfalz. Die 57-jährige Diplom-Geoökologin beschäftigt insgesamt neun Mitarbeiter, darunter sieben Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler, zwei Sekretärinnen und einen Techniker.

Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Kommunen, Landrats- und Wasserwirtschaftsämter, aber auch Unternehmen, Institute und Privatpersonen. Mit ihr sprach Katharina Hamacher. Das Interview ist im Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur erschienen.

WILA Arbeitsmarkt: Frau Rupp, als Sie 1980 Ihr Geoökologie-Studium begonnen haben, war dieses Berufsfeld noch recht exotisch…

Helga Rupp: Ja, ökologische Berufe waren noch in der Ecke „alternativ“ und „spinnert“ angesiedelt. Der Beruf des Dipl.-Geoökologen war auf dem Markt noch nicht etabliert. Da meine Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten, interessierte ich mich sehr früh insbesondere für den Schutz des Bodens. Bereits damals vermittelte das rein wissenschaftlich orientierte Studium der Geoökologie sehr gute Grundkenntnisse zu den Umweltmedien Boden, Wasser und Luft und schuf beste Voraussetzungen für meine spätere Berufstätigkeit.

Wie hat sich Ihr Werdegang bis zur Selbstständigkeit entwickelt?

Nach dem Diplom habe ich zunächst an der Uni weitergearbeitet und war anschließend bei einem Verein zur Einführung der Organischen Müllabfuhr in Bayreuth tätig. Nach der Erziehungspause habe ich in einem Altlastenbüro angefangen und lernte dort wichtige „Basics“ unter anderem über Betriebswirtschaft und Buchführung, die mir bei der Eröffnung meines eigenen Büros sehr geholfen haben.

Was hat Sie zur Gründung Ihres Unternehmens motiviert?

Nachdem das Büro, in dem ich arbeitete, wegen der damals schwierigen wirtschaftlichen Lage der Branche schließen musste, engagierte ich mich als freie Mitarbeiterin in verschiedenen Büros durch eigene Akquise. Die unterschiedlichen Projekte und der Umgang mit Auftraggebern, Behörden und sonstigen Beteiligten machten mir großen Spaß. Nur der Spagat zwischen Arbeit und Familie war nicht immer leicht.

Ein Schlüsselerlebnis war, als mir ein Kollege sagte: „Mensch Helga, so wie du arbeitest, könntest du dein eigenes Büro aufmachen.“ Der Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Schließlich kündigte ich und gründete mein eigenes Unternehmen. So konnte ich Familie und Beruf viel besser miteinander vereinen.

Welche Schwerpunkte hat Ihr Betrieb?

Wir untersuchen und bewerten Boden- und Grundwasserkontaminationen und führen die nötigen Sanierungen von Boden- und Grundwasserschäden durch. Wichtiges Arbeitsfeld ist die Revitalisierung von Brachflächen, beispielsweise von Industriebrachen.

Im Zuge des Flächenrecyclings führen wir die Gebäudeschadstofferhebung, die Rückbaubegleitung inklusive der entsprechenden Fachplanungen durch. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die bodenkundliche Baubegleitung, die heute zum Beispiel bei der bodenschonenden Verlegung von Leitungstrassen in Anspruch genommen wird.

Können Sie typische Tätigkeiten anhand eines Projekts beschreiben?

Ein klassisches Beispiel: Eine Glasfabrik – der Norden Bayerns war und ist noch heute Zentrum der Glasherstellung – möchte ein Grundstück umnutzen oder veräußern. Da bei der Produktion jedoch Schadstoffe anfallen, die in früheren Zeiten unkontrolliert in die Umwelt gelangten, weiß niemand, welche Lasten durch Untergrundkontaminationen auf dem Grundstück vorliegen.

Heute sind die Schlote dieser Fabriken mit entsprechenden Filtern ausgestattet, die Energieerzeugung erfolgt nicht mehr durch fabrikeigene Generatorgaserzeugung, und die Abfallentsorgung ist geregelt. Früher dagegen wurden solche Standorte sowie auch das Umfeld mit Metallen und weiteren Schadstoffen wie Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Wir führen die entsprechenden Untersuchungen durch, bewerten die Kontaminationen, beraten bei der Grundstücksentwicklung und führen die entsprechenden Sanierungen durch.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Beruf?

Die Kombination aus Geländearbeit und gutachterlicher Tätigkeit am Schreibtisch, die Verantwortung auf den Baustellen und die ständige fachliche Weiterentwicklung. Jeder einzelne Fall ist anders und spannend, zudem sind die Tätigkeiten abwechslungsreich. Mein Team und ich freuen uns am meisten, wenn aus einer alten Industriebrache was Neues entstanden ist.

Unser Motto lautet: Wir können die Schadstoffe, die wir Menschen in die Welt gebracht haben oder noch bringen, nicht aus der Welt schaffen und die belasteten Grundstücke nicht „jungfräulich“ machen. Aber wir können dafür sorgen, dass die Stoffe keine Gefahren für die Schutzgüter Grundwasser und menschliche Gesundheit anrichten.

Wie beobachten Sie die Entwicklung Ihrer Branche?

Man sagt, dass die vergangenen Sünden der Boden- und Grundwasserkontaminationen irgendwann einmal aufgearbeitet sind und unser Beruf dann überflüssig wird. Das sehe ich aber nicht so. Denn leider kommen immer wieder neue Stoffe auf den Markt und gelangen in die Umwelt, die wassergefährdend beziehungsweise gesundheitsschädlich sind und neue Herausforderungen darstellen.

Zudem gibt es noch sehr viele Brachflächen, die entwickelt werden können und so den Flächenverbrauch für Bauland und Infrastruktur reduzieren können. Dieser Flächenverbrauch lag im Durchschnitt der Jahre 1993 bis 2003 bei 120 Hektar pro Tag. 2014 wurde noch täglich eine Fläche von 69 Hektar für Bauland und Infrastruktur neu ausgewiesen. Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist, bis zum Jahr 2020 die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr auf 30 Hektar pro Tag zu verringern. Langfristiges Ziel ist es natürlich, die Inanspruchnahme neuer Flächen auf null zu reduzieren. Das funktioniert nicht ohne Flächenrecycling.

Vielen Dank für das Gespräch.

Eine ausführliche Berufsfeld-Analyse zum Arbeitsfeld Jobs im Bodenschutz ist auf WILA-Arbeitsmarkt erschienen. Der Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur wertet jede Woche mehrere hundert Jobs speziell für die Umweltbranche aus und sortiert diese nach Tätigkeitsgebieten. So erhalten die Abonnent/innen einen Überblick und kommen bei ihrer Jobsuche auf neue Ideen.