„Die Jobsuche ist immer eine harte Phase“

Andreas Pallenberg hat 25 Jahre lang den Infodienst Arbeitsmarkt des Wissenschaftsladen Bonn geleitet. Nun geht er in Rente. Im Interview spricht er darüber, wie er die Abonnentinnen und Abonnenten erlebt hat.

Andreas, du hast jeden Tag Kontakt mit unseren Abonnentinnen und Abonnenten. Was sind das für Menschen?

Andreas Pallenberg: Es sind sehr freundliche und offene Menschen. Sie haben Germanistik, Pädagogik, Geschichte oder ähnliche Fächer studiert und fragen sich jetzt: Was kann ich damit beruflich machen? Sie suchen zum Teil nach konkreten Jobs, etwa eine Stelle im Museum oder bei einem Medienunternehmen. Oft suchen sie aber auch nach einer grundsätzlichen Orientierung, weil sie sich mehrere Berufsfelder vorstellen können.

Häufig haben sie aus einem persönlichen Interesse heraus ihr Studienfach gewählt. Ob und wie sie damit später im Berufsleben ankommen, hat zunächst keine wichtige Rolle gespielt. Aber mit dem Moment, an dem es drängend oder schwierig wird, kommen wir ins Spiel. Mit Rat und unserem Infodienst.

Wie hat sich die Situation der jobsuchenden Akademikerinnen und Akademiker über die Jahre verändert?

Der Arbeitsmarkt hat sich stark verändert. Viele haben den Wunsch, im Berufsleben fest anzukommen. Aber der Arbeitsmarkt ist mittlerweile sehr zerklüftet. Die eine feste Stelle bis zum Lebensende gibt es praktisch nicht mehr. Typisch sind dagegen befristete Stellen. Viele erleben auch Phasen der Arbeitslosigkeit oder sind für einige Zeit freiberuflich tätig, um eine schwierige Phase zu überbrücken. Von vielen Menschen werden wir alle paar Jahre wieder erneut abonniert, etwa wenn der befristete Vertrag ausläuft.

Wir erleben derzeit einen höchst unterschiedlichen Arbeitsmarkt. In vielen technischen Berufen werden Fachkräfte händeringend gesucht. Doch in „unseren“ Arbeitsfeldern sieht die Lage anders aus. Wenn gute Stellen in einem Museum, in einem Verlag oder einer Nichtregierungsorganisationen ausgeschrieben werden, gibt es häufig dreistellige Bewerberzahlen. Die Konkurrenz ist groß – und der Frust dem entsprechend auch.

BWL-Absolventen wollen später möglichst viel Geld verdienen – zumindest dem Klischee nach. Wie ist es bei unseren Abonnentinnen und Abonnenten?

Unsere Leser/innen sind vor allem an Inhalten interessiert. Viele wollen in erster Linie einen sinnvollen Job haben, der ihren Interessen entspricht. Es soll eine Stelle sein, in der sie etwas bewegen können und durch die sie sich weiterentwickeln.

Es gibt aber auch Abonnent/innen, die nichts gegen Geldverdienen und Karriere haben – erst Recht, wenn sie bereits einige Jahre Berufserfahrung haben. Geisteswissenschaftler können gut argumentieren, erzählen, verkaufen. Sie haben einen Blick für die Gesellschaft und damit auch einen Blick für die Kunden. Das hat die freie Wirtschaft erkannt. Es gibt mittlerweile Trainee-Programme für Akademiker/innen ohne klassischen BWL- oder Jura-Hintergrund. Viele unserer ehemaligen Abonnent/innen arbeiten heute im Marketing, in Personalabteilungen, als Projektmanager oder als Führungskräfte in Verbänden und anderen Organisationen.

Jeden Dienstag sitzt du an unserer WILA Bewerbungshotline. Dort können unsere Abonnentinnen und Abonnenten anrufen, wenn sie Fragen haben. Welche drei klassischen Fragen werden dort gestellt – und wie sind deine Antworten?

Es sind viele individuelle Situationen, die sich schwer verallgemeinern lassen. Aber es gibt tatsächlich ein paar Klassiker. Eine häufige Frage lautet: Ich habe Übermorgen ein Bewerbungsgespräch. Wie setze ich mich durch? Was muss ich beachten? Ich antworte dann in der Regel: Machen Sie sich jetzt frei von Inhalten. Sie sind bereits ausgewählt. Also ist der Arbeitgeber davon überzeugt, dass sie qualifiziert genug sind. Jetzt will man Sie als Mensch kennenlernen. Arbeiten Sie also daran, dass Sie mental präpariert sind und als Persönlichkeit perfekt auftreten. Seien Sie geistig präsent und Ihrem Gegenüber zugewandt.

Eine zweite häufige Frage lautet: Können Sie mal über meinen Lebenslauf schauen? Aber das ist zum einen sehr aufwendig und bringt zum anderen wenig. Ich rate dann: Man sollte nicht den einen, festen Standardlebenslauf haben. Stattdessen sollte man seinen Lebenslauf individuell anpassen. So, dass Anschreiben und Lebenslauf aus einem Guss und auf die jeweiligen Anforderungen exakt abgestimmt sind.

Bei der dritten Frage wird es komplizierter…

Wir sind gespannt.

Die Frage lautet: Ich habe schon alles versucht, aber es klappt einfach nicht, ich finde keinen Job. Was kann ich tun? Ich stelle dann eine Gegenfrage: Wie viele Bewerbungen haben Sie denn schon versendet? Manche sind schon nach ein paar Bewerbungen verzweifelt. Andere haben schon über 100 Bewerbungen verschickt. Die entscheidende Frage ist dann, ob sie bereits zu Bewerbungsgesprächen eingeladen wurden. Falls ja, sollte man an seiner Performance im Bewerbungsgespräch üben. Wer dagegen nie eingeladen wird, verschickt vielleicht immer nur Standard-Bewerbungen oder sucht sich vielleicht Berufsfelder aus, für die man nicht genug Kompetenzen oder praktische Erfahrungen vorzuweisen hat.

Aber letzten Endes ist es eine sehr harte Phase, durch die alle Jobsuchenden gehen. Die Konkurrenz ist groß – und es gibt jedes Mal nur einen Job zu vergeben. Man hat keine andere Wahl, als am Ball zu bleiben und zu kämpfen.

Wie bist du eigentlich zum Redaktionsleiter der Infodienste geworden?

Ich habe in den Siebzigerjahren Sozialwissenschaften und Biologie studiert. Ziel war das Lehramt Gymnasium. Doch damals gab es eine Lehrerschwemme und ich habe keine Stelle im Schuldienst bekommen. Wie viele Kolleginnen und Kollegen habe ich mich jobmäßig eine Zeit lang durchgehangelt, habe unter anderem im Arbeitsamt gearbeitet, an archäologischen Ausgrabungen teilgenommen und Schwertransporte begleitet.

Schließlich habe ich eine Stelle im Wissenschaftsladen Bonn als pädagogischer Mitarbeiter bekommen erhalten. Dort haben wir ein öffentlich gefördertes Fortbildungsprojekt auf die Beine gestellt. Wir haben Akademikerinnen zu Fachkräften für Umweltschutz ausgebildet und diesen dann systematisch zu passenden Jobs verholfen. Dabei ist der Infodienst entstanden. Wir wollten den Teilnehmer/innen einen konkreten Überblick über die aktuelle Stellensituation anbieten.

Dazu haben die Stellen in Zeitungen recherchiert, ausgeschnitten, auf Papier geklebt, fotokopiert und die Blätter zusammengetackert. Dieser „Schnipsel-Dienst“ wurde schnell bekannt und uns förmlich aus der Hand gerissen. Kurze Zeit später haben wir die Blätter durch praktische Tipps rund um Bewerbungsfragen und Berichte über Berufsfelder ergänzt.

Wie hat sich der WILA Arbeitsmarkt seitdem entwickelt?

Bis heute sind wir kein Hochglanz-Magazin mit kommerziellem Hintergedanken. Herausgeber ist nach wie vor der gemeinnützige Wissenschaftsladen Bonn e.V. Aber auch wir haben uns über die Jahre professionalisiert. Ich sehe die Infodienste nach wie vor als feste Institution für jobsuchende Akademiker/innen. Jede Woche erhalten sie aktuelle Jobs, die nach Tätigkeitsgebieten sortiert sind. Darunter auch viele Perlen, die man im Netz vielleicht nicht gefunden hätte. Wir bieten aber auch Antworten auf weiter gehende Fragen. Welche Kompetenzen werden in der Branche aktuell gefordert? In welchen Regionen gibt es welche Arbeitgeber? Welche Gehälter werden gezahlt? So erhält man einen umfassenden Branchenüberblick und mehr Klarheit bei der Jobsuche.

Dazu bieten wir handfeste Beratung, sei es über unsere redaktionellen Berichte, über unsere Bewerbungshotline, unser Mentoring-Programm oder unsere WILA Seminare. Und unser Leserbriefseiten zeigen auch: Seht her, ihr seid nicht alleine mit euren Problemen und Zweifeln während der Jobsuche.

Hand aufs Herz: Wie blickst du jetzt auf den Generationenwechsel in der Redaktion?

Das sehe ich ausgesprochen positiv. Der Wechsel steht an. Auch damit sich unser Heft und unsere Angebote weiterentwickeln. Der WILA insgesamt hat sich hier zu einem Kompetenzzentrum entwickelt. Diesen Weg gilt es jetzt weiter auszubauen.

Du bist jetzt 63 Jahre alt. Was hast du im Ruhestand vor?

Ganz weg bin ich ja noch nicht. So werde ich einmal in der Woche noch als Redaktionsmitarbeiter tätig. Unsere Bewerbungshotline werde ich noch weiter machen, hin und wieder Artikel schreiben und der Redaktion beratend zur Seite stehen. Freizeitmäßig freue ich mich auf das Übliche: Mehr Reisen, mehr Kultur genießen. Außerdem will ich in aller Ruhe beobachten, wie die Zeit vergeht.

Vielen Dank!

Das Gespräch führten Krischan Ostenrath und Benjamin O’Daniel.

Das Interview „Die Jobsuche ist immer eine harte Phase“ ist ursprünglich auf WILA-Arbeitsmarkt erschienen. Der Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur wertet jede Woche mehrere hundert Jobs speziell für die Umweltbranche aus und sortiert diese nach Tätigkeitsgebieten. So erhalten die Abonnent/innen einen Überblick und kommen bei ihrer Jobsuche auf neue Ideen.

Arbeiten im Bodenschutz: Die Großreinemacher

Helga Rupp hat an der Universität Bayreuth Geoökologie studiert und gründete 2004 mit der rupp.bodenschutz GmbH ihr eigenes Ingenieurbüro für Altlasten und Bodenschutz in der bayerischen Oberpfalz. Die 57-jährige Diplom-Geoökologin beschäftigt insgesamt neun Mitarbeiter, darunter sieben Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler, zwei Sekretärinnen und einen Techniker.

Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Kommunen, Landrats- und Wasserwirtschaftsämter, aber auch Unternehmen, Institute und Privatpersonen. Mit ihr sprach Katharina Hamacher. Das Interview ist im Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur erschienen.

WILA Arbeitsmarkt: Frau Rupp, als Sie 1980 Ihr Geoökologie-Studium begonnen haben, war dieses Berufsfeld noch recht exotisch…

Helga Rupp: Ja, ökologische Berufe waren noch in der Ecke „alternativ“ und „spinnert“ angesiedelt. Der Beruf des Dipl.-Geoökologen war auf dem Markt noch nicht etabliert. Da meine Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten, interessierte ich mich sehr früh insbesondere für den Schutz des Bodens. Bereits damals vermittelte das rein wissenschaftlich orientierte Studium der Geoökologie sehr gute Grundkenntnisse zu den Umweltmedien Boden, Wasser und Luft und schuf beste Voraussetzungen für meine spätere Berufstätigkeit.

Wie hat sich Ihr Werdegang bis zur Selbstständigkeit entwickelt?

Nach dem Diplom habe ich zunächst an der Uni weitergearbeitet und war anschließend bei einem Verein zur Einführung der Organischen Müllabfuhr in Bayreuth tätig. Nach der Erziehungspause habe ich in einem Altlastenbüro angefangen und lernte dort wichtige „Basics“ unter anderem über Betriebswirtschaft und Buchführung, die mir bei der Eröffnung meines eigenen Büros sehr geholfen haben.

Was hat Sie zur Gründung Ihres Unternehmens motiviert?

Nachdem das Büro, in dem ich arbeitete, wegen der damals schwierigen wirtschaftlichen Lage der Branche schließen musste, engagierte ich mich als freie Mitarbeiterin in verschiedenen Büros durch eigene Akquise. Die unterschiedlichen Projekte und der Umgang mit Auftraggebern, Behörden und sonstigen Beteiligten machten mir großen Spaß. Nur der Spagat zwischen Arbeit und Familie war nicht immer leicht.

Ein Schlüsselerlebnis war, als mir ein Kollege sagte: „Mensch Helga, so wie du arbeitest, könntest du dein eigenes Büro aufmachen.“ Der Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Schließlich kündigte ich und gründete mein eigenes Unternehmen. So konnte ich Familie und Beruf viel besser miteinander vereinen.

Welche Schwerpunkte hat Ihr Betrieb?

Wir untersuchen und bewerten Boden- und Grundwasserkontaminationen und führen die nötigen Sanierungen von Boden- und Grundwasserschäden durch. Wichtiges Arbeitsfeld ist die Revitalisierung von Brachflächen, beispielsweise von Industriebrachen.

Im Zuge des Flächenrecyclings führen wir die Gebäudeschadstofferhebung, die Rückbaubegleitung inklusive der entsprechenden Fachplanungen durch. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die bodenkundliche Baubegleitung, die heute zum Beispiel bei der bodenschonenden Verlegung von Leitungstrassen in Anspruch genommen wird.

Können Sie typische Tätigkeiten anhand eines Projekts beschreiben?

Ein klassisches Beispiel: Eine Glasfabrik – der Norden Bayerns war und ist noch heute Zentrum der Glasherstellung – möchte ein Grundstück umnutzen oder veräußern. Da bei der Produktion jedoch Schadstoffe anfallen, die in früheren Zeiten unkontrolliert in die Umwelt gelangten, weiß niemand, welche Lasten durch Untergrundkontaminationen auf dem Grundstück vorliegen.

Heute sind die Schlote dieser Fabriken mit entsprechenden Filtern ausgestattet, die Energieerzeugung erfolgt nicht mehr durch fabrikeigene Generatorgaserzeugung, und die Abfallentsorgung ist geregelt. Früher dagegen wurden solche Standorte sowie auch das Umfeld mit Metallen und weiteren Schadstoffen wie Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Wir führen die entsprechenden Untersuchungen durch, bewerten die Kontaminationen, beraten bei der Grundstücksentwicklung und führen die entsprechenden Sanierungen durch.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Beruf?

Die Kombination aus Geländearbeit und gutachterlicher Tätigkeit am Schreibtisch, die Verantwortung auf den Baustellen und die ständige fachliche Weiterentwicklung. Jeder einzelne Fall ist anders und spannend, zudem sind die Tätigkeiten abwechslungsreich. Mein Team und ich freuen uns am meisten, wenn aus einer alten Industriebrache was Neues entstanden ist.

Unser Motto lautet: Wir können die Schadstoffe, die wir Menschen in die Welt gebracht haben oder noch bringen, nicht aus der Welt schaffen und die belasteten Grundstücke nicht „jungfräulich“ machen. Aber wir können dafür sorgen, dass die Stoffe keine Gefahren für die Schutzgüter Grundwasser und menschliche Gesundheit anrichten.

Wie beobachten Sie die Entwicklung Ihrer Branche?

Man sagt, dass die vergangenen Sünden der Boden- und Grundwasserkontaminationen irgendwann einmal aufgearbeitet sind und unser Beruf dann überflüssig wird. Das sehe ich aber nicht so. Denn leider kommen immer wieder neue Stoffe auf den Markt und gelangen in die Umwelt, die wassergefährdend beziehungsweise gesundheitsschädlich sind und neue Herausforderungen darstellen.

Zudem gibt es noch sehr viele Brachflächen, die entwickelt werden können und so den Flächenverbrauch für Bauland und Infrastruktur reduzieren können. Dieser Flächenverbrauch lag im Durchschnitt der Jahre 1993 bis 2003 bei 120 Hektar pro Tag. 2014 wurde noch täglich eine Fläche von 69 Hektar für Bauland und Infrastruktur neu ausgewiesen. Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist, bis zum Jahr 2020 die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr auf 30 Hektar pro Tag zu verringern. Langfristiges Ziel ist es natürlich, die Inanspruchnahme neuer Flächen auf null zu reduzieren. Das funktioniert nicht ohne Flächenrecycling.

Vielen Dank für das Gespräch.

Eine ausführliche Berufsfeld-Analyse zum Arbeitsfeld Jobs im Bodenschutz ist auf WILA-Arbeitsmarkt erschienen. Der Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur wertet jede Woche mehrere hundert Jobs speziell für die Umweltbranche aus und sortiert diese nach Tätigkeitsgebieten. So erhalten die Abonnent/innen einen Überblick und kommen bei ihrer Jobsuche auf neue Ideen.

Forstwissenschaften: Die Durststrecke ist vorbei

Lange waren die Jobaussichten für Fortwissenschaftler/innen eher düster. Doch in manchen Arbeitsbereichen scheint die Trendwende geschafft.

Prof. Dr. Achim Dohrenbusch ist Studiendekan an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität Göttingen. Mit ihm sprach Robert Kalimullin. Das Interview erschien im Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur.

WILA Arbeitsmarkt: Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Ihre Absolventinnen und Absolventen der Forstwissenschaften?
In den letzten Jahren sehr positiv! Die Durststrecke der 90er Jahre und der ersten Hälfte des folgenden Jahrzehnts ist vorüber. Natürlich kann es wieder enger werden, wenn die derzeit offenen Stellen alle besetzt sind. Doch im Moment sind die Berufsaussichten gerade im gehobenen Dienst richtig gut. Im höheren Dienst sind sie dagegen nicht so großartig.

Spüren Sie diese Entwicklung bei sich an der Fakultät?
Ja, die Signale vom Arbeitsmarkt sorgen für einen unglaublich starken Zulauf! Wir hatten kürzlich einen historischen Höchststand von 300 Studienanfängern, inzwischen haben wir wieder einen Numerus clausus eingeführt.

Und in welchen Bereichen arbeiten Ihre Absolvent/innen dann einmal?
Viele arbeiten weiterhin in den Forstverwaltungen der Länder oder des Bunds oder für private Forstunternehmen. An Bedeutung zu nimmt die Tätigkeit für Naturschutzbehörden und -organisationen sowie für Planungsbüros. Dann gibt es noch diejenigen, die in Industrie und Handel mit dem Produkt zu tun haben.

Spielt auch die Energiewende eine Rolle?
In der Tat, große Energieunternehmen stellen ebenfalls Forstwissenschaftler ein, da der nachwachsende Rohstoff Holz im Energiemix wichtiger geworden ist. Ein weiterer Sektor, in dem unsere Absolventen tätig werden, sind internationale Organisationen in der Entwicklungszusammenarbeit, im Umweltschutz oder aber in der Zertifizierung. Schließlich gibt es die Möglichkeit, in der Wissenschaft zu bleiben, an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Versuchsstellen.

Raten Sie den Studierenden zur Promotion?
Sie sollte bewusst angestrebt werden und in einer Verbindung zum Berufsziel stehen. Die Promotion ist auf eine wissenschaftliche Karriere ausgelegt, in der Industrie kann sie auch von Vorteil sein. Keine gute Empfehlung wäre eine Dissertation als Parksituation nach dem Studium, anstelle richtig einen Job zu suchen.

Mit welcher Konkurrenz aus anderen Disziplinen müssen sich Forstwissenschaftler/innen auf dem Arbeitsmarkt messen?
Die Frage ist schwer pauschal zu beantworten. Das Studium der Forstwissenschaft ist unglaublich vielseitig. Der Arbeitsmarkt ist breit gefächert, dementsprechend gibt es ganz unterschiedliche Konkurrenten. Wenn es beispielsweise um den Bereich Naturschutz geht, etwa ein Monitoring zur Biodiversität, sind die Konkurrenten Biologen. Im Holzhandel sind es dagegen Ökonomen und Juristen.

Wie schneiden denn Forstwissenschaftler im Vergleich zu diesen Wettbewerbern ab?
Der Vorteil ist die Vielseitigkeit. Es gibt aber auch einen Nachteil, der sich daraus ergibt: In keinem einzelnen Bereich wird eine wirkliche Tiefe erreicht. Juristisch etwa haben unsere Absolventen nur Grundkenntnisse, die sich nicht mit einem Jurastudium vergleichen lassen. Im persönlichen Gespräch mit diesen „Universaldilettanten“ sehen und schätzen die Personalchefs aber oft die Soft Skills, die so ein Studium vermittelt: lösungsorientiert Probleme angehen und bewältigen. Das passt gut in die heutige Zeit.

Lohnen sich Weiterbildungen, um die Attraktivität für Arbeitgeber zu erhöhen?
Die Besonderheit des forstwissenschaftlichen Studiums besteht in der klaren Ausrichtung auf den Arbeitsmarkt. Alle Hochschulen haben dabei eine eigene Spezialisierung, die sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren herauskristallisiert hat. Das war eine Reaktion auf die damals schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt. Das Masterstudium ist daher klar an bestimmten Berufsbildern orientiert.

Reicht das in der Praxis für den Traumjob aus?
Das ist ein frommer Wunsch … In der Realität zeigen Absolventenstudien, dass sehr viele noch ein Zertifikatsstudium machen oder ein Praktikum. Besonders die Praktika halte ich für eine traurige Entwicklung, da wird den Menschen oft Hoffnung gemacht auf eine spätere Anstellung, ohne dass daraus dann etwas wird.

Wie können sich Absolvent/innen heute auf Entwicklungen einstellen, die der technische Fortschritt mit sich bringt?
Das lässt sich nicht so einfach beantworten: Wenn wir einmal zehn oder zwanzig Jahre zurückdenken, dann lagen viele Experten mit ihren Prognosen grundlegend falsch. Was man aber sagen kann: Man braucht Leute, die bereit sind, sich auf rasante Entwicklungen einzulassen.

Eine ausführliche Berufsfeld-Analyse zum „Jobmotor Wald“ ist auf WILA-Arbeitsmarkt erschienen. Der Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur wertet jede Woche mehrere hundert Jobs speziell für die Umweltbranche aus und sortiert diese nach Tätigkeitsgebieten. So erhalten die Abonnent/innen einen Überblick und kommen bei ihrer Jobsuche auf neue Ideen.