Ausbildung zum Gesellschaftsgestalter

Ziel eins: Sich selbst finden, Ziel zwei: frischen Wind in die Gesellschaft bringen. Der neue Studiengang „Philosophy, Arts and Social Entrepreneurship“ will Einiges anders machen

Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? Dieses Buch von Richard David Precht mit dem gleichnamigen Titel verkaufte sich auch deshalb so gut, weil man als (junger) Mensch sonst kaum die Gelegenheit hat, sich mit diesen Fragen näher zu beschäftigen. In der Schule wird größtenteils immer noch Fachwissen gepaukt, in den Unis sieht es auch nicht viel besser aus. Über sich selbst lernt man zuallerletzt etwas.
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Aber muss man sich nicht erst einmal selbst richtig kennen lernen, erst recht, wenn man später die Gesellschaft verändern will? Es gibt einige wenige Studiengänge, die solche Ansätze haben: das Bard College Berlin etwa, das nicht nur interdisziplinäre Studiengänge wie „Economics, Politics and Social Thought“ anbietet, sondern auch ein einjährige Studium Generale; oder der Studiengang Philosophy and Economics in Bayreuth, der davon ausgeht, dass wirtschaftliches Denken immer auch ethisch fundiert sein muss.

Frischer Wind für die Gesellschaft

Die Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn bietet ebenfalls bereits ein Studium Generale an. Ab Herbst kommt dazu nun auch noch der Bachelorstudiengang „Philosophy, Arts and Social Entrepreneurship“. Der Studiengang soll seinen Studenten „eine breitgefächerte Grundbildung“ vermitteln und „den persönlichen Bildungs- und Findungsprozess des Einzelnen in den Vordergrund“ rücken. Entwickelt ist er für „Personen, die auch im späteren Berufsleben die Gesellschaft aktiv mitgestalten möchten.“

„Mit dem Studiengang sprechen wir junge Menschen an, die von einem Studium mehr erwarten als die bloße Aneignung von Informationen“, erlklärt Thomas Schmaus, Leiter des Studiengangs.„Wer frischen Wind in die Gesellschaft bringen möchte, selbst etwas bewirken und nicht nur dabei zusehen will, was andere machen, findet in dem Studiengang vielfältige Anregungen und Entfaltungsmöglichkeiten“.

Wer als junger Mensch sozialen Tatendrang verspürt, aber noch nicht genau weiß, welches Studium dafür das passende ist, für den könnte der Studiengang die richige Wahl sein. Ob Alfter bei Bonn für die Erkundung des Lebens der einzig wahre Ort ist, ist wieder eine andere Frage. Aber auch nach dem Bachelor wäre ja noch ein wenig Zeit, um die begonnene Selbst- und Welterkenntnis an einem der pulsierenderen Orte der Welt zu vervollkommnen.

Foto: Alanus Hochschule

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Good Impact erschienen. Mehr Informationen und Ideen für Karrierewege gibt es auf goodimpact.org

„Raus aus dem Nischenmarkt der Überzeugungstäter“

Die Organisation Climate-KIC fördert mit verschiedenen Programmen grüne Geschäftsideen. Kommunikationschefin Sabine Arras erklärt, worauf sie bei der Auswahl achten, was Erfolgsfaktoren für grünes Gründen sind und was die Gründer mitbringen sollten.
Climate-Kic
Climate-KIC fördert Innovationen durch große und kleine sowie lokale und globale kreative Partnerschaften zwischen privatem, öffentlichem und akademischem Sektor. Ziel ist es, dem Klimawandel zu begegnen. Die Partner bringen ihre Branchenerfahrung ein und sind in nationalen oder regionalen Zentrum organisiert.

Sie fördern Gründer-Ideen im nachhaltigen Bereich. Wie schwer ist es, hier tatsächlich tragende Geschäftsmodelle zu finden, also solche, die auch unabhängig von Spenden und öffentlichen Geldern funktionieren?

Was sich langfristig trägt, hängt von vielen Faktoren ab und ist natürlich erst nach einigen Jahren wirklich beurteilbar. Wir sehen allerdings viele gute Ideen mit vielversprechenden Geschäftsmodellen, die sich daran ganz klassisch an Bedarf, Zahlungsbereitschaft und relevantem Markt orientieren. Wenn „Nachhaltigkeit“ zum alleinigen oder entscheidenden Verkaufsargument wird, ohne dass das Produkt ein spezifisches Problem löst, wird’s meistens schwierig. Dann bleibt man im Nischenmarkt der Überzeugungstäter hängen oder ist eben vielleicht einfach kein Business, sondern eher eine gemeinnützige Organisation, die sich auch über Spenden und Fördermittel finanziert. Die sind dann allerdings in der Regel nicht in unseren Programme zu finden.

Welche Projekte sind denn zum Beispiel aus Ihren Programmen hervorgegangen?

Im Start-up Bereich sind tado, Thermondo und ECF Farmsystems Namen, die man kennen könnte. Aus dem Bereich der Innovationsprojekte hat gerade der Global Calculator einige Aufmerksamkeit bekommen. An der Entwicklung war zum Beispiel die Climate Media Factory beteiligt, ein kleines Potsdamer Unternehmen.(Anmerkung: Ein Interview mit der Climate Media Factory gibt es hier.)

Gibt es Erfolgsfaktoren, die Sie im Laufe der Zeit ausmachen konnten?

Ja, das kann man schon sagen. Wichtig sind erstmal das richtige Netzwerk und brauchbare Kontakte, genauso wie ein gutes Team. Durchhaltevermögen, Iterationsbereitschaft hinsichtlich Idee und Geschäftsmodell und finanzielle Mittel zur Überbrückung von Durststrecken gehören ebenfalls dazu. Wichtig ist im Verlauf auch weiterhin die Kontaktfähigkeit.

Diese Anforderungen gibt es ja auch an Gründer allgemein. Was müssen grüne Gründer speziell mitbringen?

So sehr zu unterscheiden ist das auch nicht. Das Wichtigste ist der Wille, Unternehmer zu sein. Im noch engeren Cleantech-Bereich ist dann wohl noch mehr Ausdauer als bei anderen Gründungen gefragt und ein noch fokussierteres Expertennetzwerk.

Gibt es denn dann den typischen grünen Gründer?

Wir sehen drei Typen grüner Gründer: Die einen sind Gründer und entdecken ein Geschäft mit einer „grünen Idee“. Die anderen trägt die Motivation, etwas im Klimaschutz bewirken zu wollen, die bauen sich dann ein Geschäftsmodell um eine Idee. Und die Dritten entwickeln aus einer fachlichen Idee ein Geschäft.

Sabine Arras ist Leiterin Kommunikation bei Climate-KIC

Sabine Arras ist Leiterin Kommunikation bei Climate-KIC

Das Spektrum scheint ja dann doch sehr breit zu sein. Wann gilt für Sie eine Geschäftsidee als nachhaltig?

Man könnte es auf die Formel bringen: Klima-Impact multipliziert mit Skalierbarkeit plus Umsetzungsfähigkeit macht: ein vielversprechendes Konzept. Den Begriff Nachhaltigkeit verwenden wir eigentlich nicht, weil er so unspezifisch ist.

In welchem Stadium müssen Ideen sein, damit sie von bei Ihnen gefördert werden?

Kommt auf die Zielgruppe an. Bei den Studenten sind die Ideen natürlich ganz am Anfang. Da geht es uns aber auch eher darum, dem Nachwuchs Methoden und Tools an die Hand zu geben. Wir gehen nicht davon aus, dass aus den Ideen immer auch ein Business wird. Die Start Ups müssen natürlich weiter sein, ihre Idee und den Markt schon mal grundsätzlich durchdacht und überlegt haben, wie sie das angehen würden. Unser Programm dient dann der Beschleunigung die Idee zum Produkt und zum Markt zu bringen. Bei den Innovationsprojekten sollen schon ganz konkrete Ideen da sein, die dann noch zur Reife entwickelt werden.

Was würden Sie angehenden Gründern raten, wie sie ihre Ideen vorantreiben können? Können Sie hier Tipps geben?

Da zitiere ich gern Dr. Maura Kessel, unsere Accelerator Programm Managerin: Die empfiehlt immer, die Ideen direkt mit potentiellen Kunden zu besprechen, damit die Gründer nicht „das perfekte Produkt ihrer eigenen Welt“ entwickeln, sondern das auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkt. Um so schneller ein Prototyp oder sogar ein Pilot vorhanden ist, um so besser kann man das Produkt testen und weiter konzipieren. Und die Glaubwürdigkeit steigt, sobald etwas sichtbar geworden ist.

Eine Übersicht über alle Förderungen für Studenten, angehende und bereits aktive Unternehmer gibt es auf der Webseite von Climate-KIC.

Mehr Interviews, Geschichten und Ideen gibt es auf goodimpact.org.

Die erste pestizidfreie Gemeinde entsteht

Die kleine Gemeinde Mals in Südtirol will die erste pestizidfreie Gemeinde Europas werden. Ein Film soll den Kampf gegen die mächtige Lobby unterstützen und Bürger in anderen Gemeinden zum Engagement ermutigen.

Reihenweise Monokulturen von Apfelbäumen; giftige Pestitzid-Wolken, die nicht nur Schädlinge töten, sondern auch die Tiere drum herum vertreiben: die Einwohner von Mals haben es satt. Genauer gesagt: Drei Viertel von ihnen haben es satt. So viele haben nämlich in einem Volksentscheid gegen den flächendeckenden Anbau von pestizidgepäppelten Apfel-Monokulturen gestimmt. Die Einwohner wollen ihr schönes, natürliches Bergdorf mit seinen vielfältigen Tier- und Pflanzenarten behalten. Sie wollen, dass Mals die erste pestizidfreie Gemeinde in Europa wird.

Doch das ist gar nicht so leicht. Nicht nur, dass einige Bürger nichts gegen die schnellen Gewinne hätten, die die Apfelkulturen versprechen. Auch die mächtige Pestizd-Lobby macht Druck und spielt die Nachteile herunter. Vor allem aber: Selbst die Politik hält nichts von dem Volksentscheid – weil der in so einem kleinen Dorf eigentlich gar nicht vorgesehen sei.

Ein Film soll den Widerstand der Bürger von Mals deshalb dokumentieren, ihren Einsatz bekannt machen und andere Gemeinden zum Engagement ermutigen. Dass drei Viertel eines Dorfes etwas beschließen und das dann doch nicht möglich sein soll – das kann es ja schließlich nicht sein. Auf Startnext läuft gerade eine Crowdfunding-Aktion für den Film. 20 Tage vor Schluss hat sie ihr Ziel schon fast erreicht.

Mehr Berichte, Interviews und Ideen gibt es auf Good Impact, der Plattform für gesellschaftlichen Wandel.