Berufsfeld Umweltbildung

Der WILA Infodienst Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur hat Lore Otto zum Berufsfeld Umweltbildung interviewt. Lore Otto ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) Hamburg. Nach ihrem Biologiestudium machte sie sich selbstständig und ist seit rund 20 Jahren als freiberufliche Umweltpädagogin und seit 2014 als NUN-zertifizierte Bildungspartnerin für Nachhaltigkeit tätig.

Katharina Hamacher führte für den WILA Infodienst das Interview. Eine ausführliche WILA-Analyse zu den beruflichen Chancen und Risiken in der Umweltbildung finden Sie hier.

Frau Otto, Sie engagieren sich in der ANU Hamburg für Ihren Berufsstand. Wie erleben Sie den Arbeitsmarkt für Natur- und Umweltpädagogen?

Hier in Hamburg haben wir viele Freiberufler, da es wenige feste Stellen gibt. Naturschutzverbände und -vereine haben nur wenige angestellte Umweltpädagoginnen und -pädagogen.

Manche Einrichtungen wie die Klimaschutzstiftung in Karlshöhe zum Beispiel beschäftigen abgeordnete Lehrer. Freiberufler sind viel im außerschulischen Bildungsbereich aktiv. Sie führen an Schulen und Kitas Kurse durch, um Kinder für die Natur zu begeistern und für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Können die Freiberufler davon leben?

Das schaffen leider nur die wenigsten. Es gibt nur selten Aufträge, die mit einem Acht-Stunden-Job vergleichbar wären. Daher muss das Einkommen meistens ergänzt werden. Nicht wenige haben einen Partner an ihrer Seite, der ein sicheres Einkommen nach Hause bringt.

Viele Ehrenamtler arbeiten auf semi-professioneller Ebene. Bei uns in Hamburg existieren die einzelnen Gruppen gut nebeneinander. Jeder muss mit sich selbst ausmachen, welchen Preis er für seine Leistung ansetzt. Das Problem an Schulen ist oft, dass im Ganztagsbereich die Honorare deutlich unterhalb einer Grenze liegen, von der ein Freiberufler leben kann. Ich für meinen Teil bin nicht bereit, für 20 Euro die Stunde zu arbeiten.

Kann der Stundenlohn über Drittmittel aufgestockt werden?

Ja, besonders Freiberufler sollten sich mit der Akquise von Drittmitteln beschäftigen. Dafür sollten sie zudem gut vernetzt sein, denn in der Regel muss ein gemeinnütziger Träger mit im Boot sein, um bei Stiftungen Drittmittel beantragen zu können.

Die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) fördert zum Beispiel Umweltprojekte, allerdings nur einmalig, als Initialzündung. Danach sollen sich die Projekte selbst tragen. Das klappt allerdings oft nicht, das heißt, die nächste Idee muss für einen neuen Antrag her.

Was müsste sich dafür ändern?

Ich sehe einen großen Spannungsbogen zwischen dem, was die Gesellschaft braucht und ihrer Bereitschaft, dafür zu zahlen. Deshalb muss sich der Staat seiner Verantwortung bewusst werden. Außerschulische Umweltbildung ist ein wichtiger Bildungsauftrag, der die Schulbildung ergänzt. Daher wäre etwas institutionelle Förderung durchaus angemessen.

Wir hören immer, Bildung soll sich rechnen, aber das wird sie nicht, solange es keine Stelle gibt, die nachhaltige Bildung finanziert. Über Selbstfinanzierung wird das nicht passieren. Deshalb machen wir von der ANU uns auch Sorgen um den Nachwuchs in unserer Branche. Wir beobachten, dass immer weniger junge Menschen in die Umweltpädagogik streben. Der Grund dafür liegt sicher am schlechten Auskommen.

Was sollte jemand mitbringen, der sich doch für den Weg in die Umweltpädagogik entscheidet?

Neben Engagement und Herzblut empfehle ich Kreativität und eine gute Organisation. Ich begeistere Schulen damit, dass ich für jede Stunde einen genauen Plan erstelle. Viele Bildungseinrichtungen legen Wert auf Qualität und sind dann auch bereit, dafür zu zahlen.

Wie wichtig ist die fachliche Qualifikation?

In meinen Augen nicht so wichtig wie die pädagogische. Ich brauche kein Bio-Studium, um mit den Kindern in den Wald zu gehen. Klar sollte man eine Buche von einer Birke unterscheiden können.

Aber um Kinder für Natur zu begeistern und Interesse für Nachhaltigkeit zu wecken, sind andere Fähigkeiten entscheidend. Wir können helfen, eine gesunde Beziehung zwischen Kind und Natur zu entwickeln.

Was hat Sie gereizt, nach dem Studium in die Umweltbildung zu gehen?

Als das Thema Anfang der 1990er aufkam, steckte ich mitten im Biologiestudium. Diese Pionierzeit damals mitzuerleben war für mich sehr spannend. Ich habe viel in dem Bereich gemacht und war daher nach dem Abschluss bereits gut im Thema. Viele Tätigkeiten wie Kartieren, die meine Kollegen gemacht haben, interessierten mich nicht.

Die Arbeit mit Kindern und Erwachsenen hat mir hingegen von Anfang an großen Spaß gemacht. Die Freiheit, sich eigene Themen zu suchen und sie zu vermitteln, neue Methoden auszuprobieren und so ganz nebenher einen Beruf zu haben, der meine Zielgruppen vielleicht dazu bringt, ihre Umwelt aus neuer Perspektive zu betrachten, ist immer wieder zutiefst befriedigend.

Vielen Dank!

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Das Interview ist im Informationsdienst arbeitsmarkt Umweltschutz, Naturwissenschaften erschienen. Jede Woche werden mehrere hundert qualifzierte und aktuelle Stellenangebote aus dem Umweltbereich recherchiert und nach Tätigkeitsgebieten sortiert. Herausgeber ist der Wissenschaftsladen Bonn.