Biologen: „Viele Stellen sind befristet“

Bernd Assenmacher, Leiter der Stellenauswertung für den „arbeitsmarkt Umweltschutz, Naturwissenschaften“ des Wissenschaftsladen Bonn, berichtet über die aktuelle Stellenlage und Arbeitsmöglichkeiten für Biologen/innen.
Jede Woche wertet die Publikation „arbeitsmarkt Umweltschutz, Naturwissenschaften“ aktuelle und qualifizierte Jobs für grüne Fachkräfte aus. In dieser Woche ging es um Jobs für Biologen. Im Artikel werden sieben Tätigkeitsfelder vorgestellt.

arbeitsmarkt: Wie wird sich der Arbeitsmarkt für Biologen entwickeln?

Bernd Assenmacher: Es macht einen Unterschied, aus welchem Bereich der Biologie man kommt. Im chemisch- und molekular-biologischen Bereich gibt es gerade bei Großunternehmen viele Stellen. In unserer Zeitschrift konzentrieren wir uns auf die Bereiche Umweltschutz, Botanik etc. Da sind generell deutlich weniger Stellen ausgeschrieben. Man muss länger suchen, um etwas zu finden.

Verglichen mit den letzten zehn Jahren haben aber gerade in den Bereichen Naturschutz, Biodiversität und Verwaltung die Stellenzahlen deutlich zugenommen, bei denen explizit Biologen gesucht werden. Natürlich ist die Anzahl an Stellen für Biologen im Vergleich mit anderen, verwandten Berufsgruppen wie zum Beispiel Landschaftsarchitekten immer noch deutlich geringer, aber trotzdem ist das Stellenangebot für Biologen im Moment durchaus üppig.

Woran liegt das?

Das hängt damit zusammen, dass es viele Stellen bei Kommunen gibt. Die Umweltämter sind mittlerweile etablierter als in den 80er und 90er Jahren. Außerdem gibt es heute bei neuen Bauvorhaben Auflagen, dass erst mal eine Verträglichkeitsprüfung oder Biodiversitätsgutachten gemacht werden müssen. Eben für diese Aufträge werden auch Bio­logen gefragt.

Wie wird sich der Stellenmarkt in Zukunft weiterentwickeln?

Wir sind ja noch in einer Phase, in der es wirtschaftlich gerade in Deutschland gut läuft. Das schlägt sich auch auf die Arbeitsmärkte für Biologen nieder. Selbst öffentliche Arbeitgeber wie beispielsweise Landratsämter schreiben in solchen Zeiten mehr Stellen aus, als wenn es wirtschaftlich schlechter läuft. Das wird, denke ich, noch ein bisschen so weitergehen.

In welchen Bereichen haben Biologen gerade die besten Jobchancen?

Wenn man sich die „grünen“ Biologen anschaut, dann ist der Naturschutzbereich der größte. Das heißt vor allem die Pflege und das Management von Naturschutzgebieten, Reservaten und Biologischen Stationen. Einige Stellen gibt es noch an botanischen Instituten im Uni-Bereich, aber für klassische Biologen ist der Naturschutz der größte Bereich.

Welche Bereiche sollten Biologen im Heft besonders aufmerksam lesen?

Wenn man explizit als Botanikerin oder Zoologe etwas sucht, sollte man sich vor allem den Bereich 8.3 anschauen. In den Bereich 3 „Planung und Verwaltung“ packe ich die kommunalen Stellen. Da werden allerdings nicht nur Biologen gesucht, sondern beispielsweise auch Landschaftsplaner und Geographen. Im Bereich 5 kommen alle Stellenausschreibungen von Forschungseinrichtungen. Wenn man an Didaktik oder einer Stelle in der Lehre interessiert ist, finden Biologen auch Stellen in der Umweltbildung, dem Bereich 4. Am Rande können aber auch die anderen Bereiche (Umweltpolitik, Umweltmanagement oder auch in der Landwirtschaft) relevant sein, sodass man sich als Biologe eigentlich das ganze Heft anschauen sollte.

Wenn ich als Berufsanfängerin starte, was muss ich mitbringen?

In fast jeder Stellenanzeige steht Team- und Organisationsfähigkeit drin. Aber natürlich sind die originären Fachkenntnisse sehr wichtig, die mit der jeweiligen Aufgabe im Job verbunden sind. Da wird eben ein Fledermausfachmann oder jemand für Aquakulturen gesucht.
Auf eine Promotion wird vor allem in den Stellen im Uni-Bereich Wert gelegt. Promovierte sind aber natürlich teure Arbeitskräfte. Deshalb werden auch gerne einmal Personen mit Bachelorabschluss in Biologie gesucht. Vor allem in Planungsbüros werden schon mal „frische“ Absolventen genommen. Bei Leitungsstellen ist man gegenüber Berufsanfängern meist nicht offen. Generell steht aber in sehr vielen Ausschreibungen, dass Berufserfahrung gewünscht wird.

Wie sieht ein „klassischer“ Berufsweg von Biologen aus?

Viele Stellen sind befristet, da es sich um projektgebundene Stellen handelt. Man muss als Biologe im Umweltschutz einfach Erfahrungen sammeln, vielleicht auch erst einmal unterhalb der Bezahlung eines studierten Biologen arbeiten und zeigen, dass man sich in Themengebiete einarbeiten kann. In einschlägigen Gebieten wie Zoologie oder Botanik kommt allerdings nur ein kleiner Teil der Biologen unter. Daher landen viele Biologen irgendwann in etwas weiteren Gebieten wie beispielsweise dem Arbeitsschutz.

Der Wissenschaftsladen Bonn e.V. ist Herausgeber des arbeitsmarkt Umweltschutz, Naturwissenschaften. Jede Woche werten die Arbeitsmarkt-Experten bundesweit das Stellenangebot in 92 Tages- und Wochenzeitungen, in 50 Fachzeitschriften und mehreren Dutzend Jobbörsen und Firmenseiten aus. Die aktuellen und qualifizierten Stellen werden nach Tätigkeitsgebieten und Postleitzahlen sortiert. So erhalten die Abonnentinnen und Abonnenten einen schnellen Überblick und Orientierung.