Forstwissenschaften: Die Durststrecke ist vorbei

Lange waren die Jobaussichten für Fortwissenschaftler/innen eher düster. Doch in manchen Arbeitsbereichen scheint die Trendwende geschafft.

Prof. Dr. Achim Dohrenbusch ist Studiendekan an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität Göttingen. Mit ihm sprach Robert Kalimullin. Das Interview erschien im Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur.

WILA Arbeitsmarkt: Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Ihre Absolventinnen und Absolventen der Forstwissenschaften?
In den letzten Jahren sehr positiv! Die Durststrecke der 90er Jahre und der ersten Hälfte des folgenden Jahrzehnts ist vorüber. Natürlich kann es wieder enger werden, wenn die derzeit offenen Stellen alle besetzt sind. Doch im Moment sind die Berufsaussichten gerade im gehobenen Dienst richtig gut. Im höheren Dienst sind sie dagegen nicht so großartig.

Spüren Sie diese Entwicklung bei sich an der Fakultät?
Ja, die Signale vom Arbeitsmarkt sorgen für einen unglaublich starken Zulauf! Wir hatten kürzlich einen historischen Höchststand von 300 Studienanfängern, inzwischen haben wir wieder einen Numerus clausus eingeführt.

Und in welchen Bereichen arbeiten Ihre Absolvent/innen dann einmal?
Viele arbeiten weiterhin in den Forstverwaltungen der Länder oder des Bunds oder für private Forstunternehmen. An Bedeutung zu nimmt die Tätigkeit für Naturschutzbehörden und -organisationen sowie für Planungsbüros. Dann gibt es noch diejenigen, die in Industrie und Handel mit dem Produkt zu tun haben.

Spielt auch die Energiewende eine Rolle?
In der Tat, große Energieunternehmen stellen ebenfalls Forstwissenschaftler ein, da der nachwachsende Rohstoff Holz im Energiemix wichtiger geworden ist. Ein weiterer Sektor, in dem unsere Absolventen tätig werden, sind internationale Organisationen in der Entwicklungszusammenarbeit, im Umweltschutz oder aber in der Zertifizierung. Schließlich gibt es die Möglichkeit, in der Wissenschaft zu bleiben, an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Versuchsstellen.

Raten Sie den Studierenden zur Promotion?
Sie sollte bewusst angestrebt werden und in einer Verbindung zum Berufsziel stehen. Die Promotion ist auf eine wissenschaftliche Karriere ausgelegt, in der Industrie kann sie auch von Vorteil sein. Keine gute Empfehlung wäre eine Dissertation als Parksituation nach dem Studium, anstelle richtig einen Job zu suchen.

Mit welcher Konkurrenz aus anderen Disziplinen müssen sich Forstwissenschaftler/innen auf dem Arbeitsmarkt messen?
Die Frage ist schwer pauschal zu beantworten. Das Studium der Forstwissenschaft ist unglaublich vielseitig. Der Arbeitsmarkt ist breit gefächert, dementsprechend gibt es ganz unterschiedliche Konkurrenten. Wenn es beispielsweise um den Bereich Naturschutz geht, etwa ein Monitoring zur Biodiversität, sind die Konkurrenten Biologen. Im Holzhandel sind es dagegen Ökonomen und Juristen.

Wie schneiden denn Forstwissenschaftler im Vergleich zu diesen Wettbewerbern ab?
Der Vorteil ist die Vielseitigkeit. Es gibt aber auch einen Nachteil, der sich daraus ergibt: In keinem einzelnen Bereich wird eine wirkliche Tiefe erreicht. Juristisch etwa haben unsere Absolventen nur Grundkenntnisse, die sich nicht mit einem Jurastudium vergleichen lassen. Im persönlichen Gespräch mit diesen „Universaldilettanten“ sehen und schätzen die Personalchefs aber oft die Soft Skills, die so ein Studium vermittelt: lösungsorientiert Probleme angehen und bewältigen. Das passt gut in die heutige Zeit.

Lohnen sich Weiterbildungen, um die Attraktivität für Arbeitgeber zu erhöhen?
Die Besonderheit des forstwissenschaftlichen Studiums besteht in der klaren Ausrichtung auf den Arbeitsmarkt. Alle Hochschulen haben dabei eine eigene Spezialisierung, die sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren herauskristallisiert hat. Das war eine Reaktion auf die damals schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt. Das Masterstudium ist daher klar an bestimmten Berufsbildern orientiert.

Reicht das in der Praxis für den Traumjob aus?
Das ist ein frommer Wunsch … In der Realität zeigen Absolventenstudien, dass sehr viele noch ein Zertifikatsstudium machen oder ein Praktikum. Besonders die Praktika halte ich für eine traurige Entwicklung, da wird den Menschen oft Hoffnung gemacht auf eine spätere Anstellung, ohne dass daraus dann etwas wird.

Wie können sich Absolvent/innen heute auf Entwicklungen einstellen, die der technische Fortschritt mit sich bringt?
Das lässt sich nicht so einfach beantworten: Wenn wir einmal zehn oder zwanzig Jahre zurückdenken, dann lagen viele Experten mit ihren Prognosen grundlegend falsch. Was man aber sagen kann: Man braucht Leute, die bereit sind, sich auf rasante Entwicklungen einzulassen.

Eine ausführliche Berufsfeld-Analyse zum „Jobmotor Wald“ ist auf WILA-Arbeitsmarkt erschienen. Der Infodienst WILA Arbeitsmarkt für Berufe in Umwelt und Natur wertet jede Woche mehrere hundert Jobs speziell für die Umweltbranche aus und sortiert diese nach Tätigkeitsgebieten. So erhalten die Abonnent/innen einen Überblick und kommen bei ihrer Jobsuche auf neue Ideen.

Green Day am 12.11.2015 – ein grüner Karrieretag speziell für Schülerinnen und Schüler

Das greenjobs.de-NetcastAm 12. November findet zum vierten Mal der Green Day statt. Unter dem Motto „Schulen checken grüne Jobs“ bekommen Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, grüne Arbeitswelten kennenzulernen. Das Angebot reicht von Unternehmensführungen bis hin zu ganz praktischen Veranstaltungen in „grünen“ Forschungseinrichtungen.

Wir haben für unser Audio-Netcast mit Ulrike Eichentopf gesprochen, der Projektleiterin des Green Day: Worum es beim Green Day geht, an wen er sich richtet und wer sich jetzt noch ganz schnell melden sollte, wenn sie oder er mitmachen möchte. Hört es Euch einfach an.

Alle Informationen zum Green Day am 12.11.2015 findet Ihr auf der Webseite www.greendaydeutschland.de. Dort könnt Ihr gezielt nach Veranstaltungen in Eurer Nähe suchen, aber auch thematisch, wenn Euch ein bestimmtes Thema besonders am Herzen liegt.

 

 

In dieser Episode verwendete Musik:
I dunno“ – von grapes unter der Mitwirkung von J.Lang und Morusque
Improvisation on Sunday“ – von Alex unter der Mitwirkung von The3amAssociation

 

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Das greenjobs.de-Netcast steht unter einer
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FAZ: Grüne Ingenieure — Überlebenstraining für Energie-Spezialisten

Die großen Stromversorger bauen Stellen ab – mancher Ingenieur muss auf den Bereich der erneuerbaren Energien umschulen. Denn hier gibt es jede Menge Perspektiven. Nicht nur bei den großen Energieversorgern.

Den kompletten Artikel von Leonie Heim findet Ihr auf der Webseite der FAZ