Die Naturstrom AG – ein Ökostromanbieter der ersten Stunde UND: Warum auch ein Job beim Textildiscounter KiK auf greenjobs.de erscheint

Das greenjobs.de-NetcastDie Naturstrom AG – ein Ökostromanbieter der ersten Stunde

Am Telefon haben wir heute Dr. Tim Loppe, den Pressesprecher der Naturstrom AG. Die Firma wurde 1998 gegründet, als der Strommarkt in Deutschland geöffnet wurde und die Verbraucher endlich von einem anderen als ihrem lokalen Versorgungsunternehmen den Strom kaufen konnten. Gründungsmitglieder waren 16 Menschen, die vor allem selbst aus der Umweltbewegung kamen. Bis heute ist dieser Hintergrund im Unternehmen und seiner Ausrichtung spürbar: Als unabhängiges Unternehmen kann sich Naturstrom ganz auf das Ziel Erneuerbare Energien und die Unterstützung der Energiewende konzentrieren.

Tim Loppe kritisiert die derzeitige Debatte um die Ökostromförderung. Es würde – von einigen politischen Kreisen gewollt – die Diskussion ausschließlich auf die Kosten der Erneuerbaren Energien gelenkt. Die Vorteile der Energiewende, z.B. die Einsparung fossiler Brennstoffe und die Verringerung externer Kosten, würden bewusst ausgeblendet. Die Erneuerbaren machten in Deutschland mittlerweile 20% der Stromerzeugung aus und hätten zu einer Reduktion des Börsenpreises für Strom geführt. Nur durch einen Konstruktionsfehler im EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) würden diese von den Erneuerbaren verursachten Preissenkungen die EEG-Umlage aber sogar noch erhöhen. Die politisch Zuständigen würden die notwendigen Anpassungen des EEG verschleppen, so dass bei den Konsumenten die Preisreduktionen durch die Erneuerbaren nicht ankämen.

Das Unternehmen verkauft 100% Erneuerbare Energien-Strom, der wirklich zur Errichtung neuer Erzeugungsanlagen beiträgt. Dazu baut und betreibt Naturstrom auch eigene Kraftwerke ist also nicht nur Ökostrom-Händler sondern auch -Produzent. Rund 220 Anlagen wurden bis heute realisiert. Seit einigen Jahren bietet Naturstrom neben Elektrizität auch Biogas an. Dieses stammt aus einer Kläranlage in Hamburg, nutzt also Abfallstoffe zur Energiegewinnung.

Die Naturstrom AG und ihre Tochterunternehmen sind an 10 Standorten in Deutschland vertreten. Die Zentrale mit dem Stromhandel hat ihren Sitz in Düsseldorf, insgesamt arbeiten rund 150 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Naturstrom.

Die Jobprofile sind breit gestreut und reichen vom Planer für Windenergie über (Bilanz-)Buchhalter bis hin zum Mitarbeiter Networking und Lobbying (jeweils natürlich männlich oder weiblich). Hier finden Sie die aktuellen Stellenausschreibungen von Naturstrom auf greenjobs.de.

Warum auch ein Job beim Textildiscounter KiK auf greenjobs.de erscheint

Kürzlich erhielten wir von zwei greenjobs.de-Nutzerinnen sehr kritische Rückmeldungen, weil wir eine Stellenausschreibung von KiK veröffentlicht hatten (Führungskraft Bereich CSR (m/w)). Die Kritik lautete ungefähr, dass so ein Angebot auf greenjobs.de nichts verloren habe, da Ökologie und Soziales bei diesem Konzern überhaupt keine Rolle spielten. Im Prinzip würde greenjobs.de hier beim Greenwashing helfen und damit auch seinen eigenen guten Ruf gefährden.

In der Sendung diskutiere ich ein wenig die Schwierigkeiten, vor denen wir bei der „Filterung“ der Stellenausschreibungen stehen. Gerade bei Firmen, die nicht nur in grünen Branchen unterwegs sind, sind die Grenzen zwischen „schwarz“ und „weiß“ oft fließend – viele Firmen stehen wegen ihres ökologischen und oder sozialen Profils in der Kritik. Ein paar Beispiele:

  • Eine Kreuzschiffahrtsgesellschaft hat früher regelmäßig „Umweltoffiziere“ für ihre Schiffe auf greenjobs.de ausgeschrieben. Für uns ganz klar ein „grüner Job“ und daher erscheinen sie auch auf greenjobs.de. Das gleiche Unternehmen wurde aber vom NABU als „Dinosaurier des Jahres 2011“ ausgezeichnet – für einige vielleicht ein Grund, Stellenausschreibungen dieses Unternehmens lieber nicht zu veröffentlichen.
  • Wie steht es mit Erneuerbare Energien-Unternehmen? Einige machen nur in Solarenergie oder Windkraft oder ähnlichem, dann ist es recht leicht… aber wie schaut es aus, wenn die Ausschreibung von der Erneuerbare Energien-Tochter eines großen konventionellen Stromkonzerns kommt, der vor allem Kohle und Atomstrom produziert?
  • Sie finden auf greenjobs.de auch eine Reihe von Jobs beim Bundesamt für Strahlenschutz. Und auch hier gab es in der Vergangenheit mal Kritik, dass wir diese Veröffentlichen, weil die doch praktisch Teil der Atomgeschäfts seien. Aber diese Kritik blendet die positive und notwendige Seite einer solchen Behörde vollkommen aus. Zum Beispiel: Wäre es nicht schön, wenn die Asse – für die das BfS mittlerweile zuständig ist – von jemandem gemanaged wird, der sich Gedanken um den Schutz von Mensch und Natur macht und nicht von einem sturen Projektmanager, der nur in Kosten und Arbeitstagen denkt und dem das Ziel dabei völlig egal ist?
  • Dann gibt es Stellen aus dem Bereich Life Sciencies, bei denen es um die Entwicklung, das Testen und Zulassen von Pflanzenschutzmitteln geht. Diese sollen die Umwelt so wenig wie möglich beeinträchtigen, was natürlich positiv ist, aber sollte man chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel nicht lieber komplett ablehnen?
  • Wir hatten auch schon einen „Environmental Affairs Manager“ in der Deutschlandzentrale von Apple auf greenjobs.de. Aber die Firma wird von Umweltverbänden immer wieder heftig angegriffen wegen der Umweltbilanz ihrer Produkte, z.B. dass Akkus in ihren Handies nicht mehr einfach austauschbar sind, was dazu führt, dass die iPhones beim Nachlassen des Akkus weggeworfen werden, weil der professionelle Austausch des Akkus richtig teuer ist. Das Umweltbundesamt würde solche Geräte am liebsten verbieten. Auch aufgrund der Diskussion der Arbeitsbedingungen bei Apples Zulieferern würden einige Menschen sicherlich zu dem Schluss kommen, Jobs bei diesem Unternehmen könnten nicht nachhaltig sein und sollten lieber nicht auf greenjobs.de erscheinen.

Wir sehen das etwas lockerer. Wir haben zwar in der Vergangenheit immer wieder einzele Stellenausschreibungen abgelehnt, die einfach nicht zu uns passten. Aber einerseits verfügen wir nicht über die notwendige Kapazität, die Unternehmen zu durchleuchten und z.B. anhand einer Checkliste zu prüfen, ob Sie auf greenjobs.de veröffentlichen dürfen oder nicht. Zum anderen gehen wir von „mündigen“ Nutzerinnen und Nutzern aus, die lieber selbst entscheiden wollen, auf welchen Job sie sich bewerben wollen, bei welcher Firma oder Organisation sie arbeiten möchten. Jeder zieht hier die Grenzen etwas anders und wir filtern daher nur wenige Stellenausschreibung vorab heraus. Wer sich informieren möchte, dem empfehlen wir auch, entsprechende Firmenbewertungen anzuschauen, z.B. bei wegreen, der Verbraucher Initiative oder Oxfam.

Wer positive oder negative Meinungen zu einer Ausschreibung oder Firma hat, ist auch herzlich eingeladen, die entsprechende Stelle auf Twitter oder Facebook zu kommentieren, wo wir alle neuen Stellenausschreibungen von greenjobs.de verlinken.

Und falls Sie Ideen oder Tipps für uns haben, wie wir in Zukunft mit solchen Stellenausschreibungen umgehen sollen, dann lassen Sie es uns wissen – Sie erreichen uns über netcast@greenjobs.de, das Email-Formular am rechten Rand oder über unsere Telefonnummer oder Postanschrift (siehe Kontaktdaten).

Earth Hour am 23.03.2013 um 20:30h
Machen Sie mit und setzen Sie ein Zeichen für die Energiewende: Schalten Sie am 23.03.2013 um 20:30h für eine Stunde das Licht aus. Mehr Informationen zu der Aktion finden Sie z.B. auf earthhour.wwf.de

Huffington Post ehrt weibliche Umweltschützerinnen
Nach der Ausstellung im Besucherzentrum des BMU ehrt nun auch die Netzzeitung Huffington Post die Verdienste weiblicher Umweltschützerinnen. Die Übersicht ist naturgemäßg USA lastig, aber dennoch sehr interessant.

 

 

In dieser Episode verwendete Musik:
I dunno“ – von grapes unter der Mitwirkung von J.Lang und Morusque
Improvisation on Sunday“ – von Alex unter der Mitwirkung von The3amAssociation

 

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Comments

  1. A. Hornheim says:

    RE: „Nicht-grüne“ Stellenanzeigen

    Ich finde es okay, wenn diese Anzeigen weiterhin auf Greenjobs kursieren, zunächst mit der gleichen Argumentation der mündigen Nutzer und dann aber auch unter dem Aspekt, dass diese mündigen Nutzer – sollten Sie denn altruistische Motive haben für ihre Jobsuche auf eurem Portal – in diesen Stellen versuchen würden, soviel wie möglich „rumzureissen“ und nicht nur Dienst nach Vorschrift zu machen. Dies birgt zwar immer die Gefahr des Jobverlusts, wenn man zu radikal in seinen Ansichten und deren Vertretung ist, aber für den großen Wandel in unserer Wirtschaft müssen halt auch mal ein paar Leute mutig genug sein, sich dafür in den Gegenwind zu stellen.

    Best,

    Angelika

  2. jan strohschein (greenjobs.de) says:

    Hier noch ein Beitrag zum Thema, der auf unserer Facebookseite gepostet wurde und unsere Antwort dazu: https://www.facebook.com/greenjobs.de/posts/578438128842747

    „Wenn ihr euch nicht dir Arbeit machen wollt nochmals bei jeder „nicht deutlichen“ grünen Stellenanzeige ein Hinweis zu schreiben, solltet Ihr euch dann doch konsequent an eindeutig „grünen“ Stellenanzeigen halten. Das erleichtert die Übersicht für euch und alle Nutzer. Bleibt euch und eurer Domäne treu ..greenjobs^^“

    Antwort greenjobs.de: „Einen Hinweis würden wir sicher nicht schreiben. Das kann jeder selbst beurteilen. Derzeit ist es ja erfreulicherweise so, dass diese Art von Stellenanzeigen deutlich in der Minderzahl sind. Daher sehe ich das Problem der gefährdeten Übersichtlichkeit derzeit nicht.“