Jobs für Agrarwissenschaftler

Wer Agrarwissenschaften studiert, kann danach in zahlreichen Branchen arbeiten. Zum Beispiel als Pflanzenforscherin, Weinzüchter, Agrarjournalistin oder als Referentin für Tierzucht, wie Katharina Hamacher für den Wissenschaftsladen Bonn beschreibt.

Sie arbeiten in Wirtschaft, Wissenschaft und Lehre, in der praktischen Landwirtschaft, in Behörden, Kammern und Verbänden, als Fachjournalisten oder bei Banken und Versicherungen: In kaum einem anderen Berufsfeld sind die möglichen Einsatzbereiche so vielfältig wie bei Agrarleuten. „Es gibt eigentlich nichts, was eine Agrarwissenschaftlerin oder ein Agrarwissenschaftler nicht kann“, sagt Markus Ebel-Waldmann, Präsident des VDL-Bundesverbandes Agrar, Ernährung, Umwelt.

Ihre Vielseitigkeit verdanken die Agrarwissenschaftler ihrem umfassenden, sehr breit aufgestellten Studium. Nachdem zunächst Fächer wie Mathematik, Chemie, Physik, Biologie, Anatomie und Physiologie der Nutztiere, Betriebs- oder Volkswirtschaft im Mittelpunkt stehen, spezialisieren sich die Studierenden später entweder in Richtung Pflanzenwissenschaften, Tierwissenschaften oder Ökonomie. Absolventen arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen, die eine große Vielfalt an Arbeitsplätzen mit ebenso unterschiedlichen Anforderungsprofilen bieten.

Hier geht es zu vier Beispielen von Jobs für Agrarwissenschaftler.

In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Arbeitsfelder allerdings stark vom öffentlichen Dienst in die Privatwirtschaft verlagert, beobachtet der VDL-Präsident. In den 1970er und 80er Jahren waren Agrarwissenschaftler überwiegend in Ministerien, Agrar- und Umweltämtern sowie in landwirtschaftlichen Kammern untergekommen, wo sie beispielsweise Standards im Agrarbereich prüfen und überwachen. Inzwischen übernehmen sie auch viele administrative Aufgaben im halbstaatlichen Bereich.

Bei Banken und Versicherungen beraten die Fachleute Kunden aus dem Agrarbereich, führen in der Industrie neue Produkte ein oder sind in Vertrieb und Marketing im Groß- und Einzelhandel für Futter und Düngemittel zuständig. Und: „Forschung und Entwicklung hatten schon immer einen hohen Stellenwert, das ist auch heute noch so“, sagt Ebel-Waldmann. Agrarwissenschaftler, die im produktionstechnisch-naturwissenschaftlichen Bereich des Landbaus arbeiten, werden auch Agraringenieure genannt.

Andere Bereiche sind in den vergangenen Jahren zunehmend populärer geworden: „In keinem anderen Studiengang gibt es so viele Nischen, die sich fortlaufend weiterentwickeln“, beobachtet der Präsident des Bundesberufsverbandes. „Dazu gehören zum Beispiel die Bereiche Ressourcen- und Umweltmanagement, aus denen sich stabile, eigenständige Berufsfelder gebildet haben.“ Auch Themen wie Qualitätsmanagement, Gentechnologie und der gesamte Sektor der biologischen Landwirtschaft sind sehr zukunftsträchtig. Oft unterschätzt wird der Vertrieb von Nahrungs-, Futter- und Düngemitteln: Obwohl der Innen- und Außendienst in Wirtschaftsunternehmen nicht oben auf der Wunschliste junger Absolventen steht, ist jeder Fünfte in diesem Bereich tätig. Einer vorsichtigen Schätzung nach arbeiten in Deutschland 250.000 bis 300.000 akademische Agrarleute.

Zunehmend weniger beliebt ist die Arbeit in der praktischen Landwirtschaft: Maximal jeder Zehnte ist heute bei einem landwirtschaftlichen Betrieb tätig, schätzt der Berufsverband. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf das Studium: „Durch die Umstellung vom Diplomstudiengang auf Bachelor und Master gab es eine Explosion von Studiengängen“, sagt Ebel-Waldmann. Inzwischen gibt es über 200 verschiedene Möglichkeiten zur Schwerpunktsetzung – eine Entwicklung, die der VDL sehr kritisch beobachtet: „Bei einer solchen Vielfalt ist es wichtig, dass die Studiengänge transparent gestaltet werden. Das ist leider nicht immer so.“ Interessierte sollten auf eine gute Beratung achten und Schwerpunkte wählen, die den eigenen Neigungen entsprechen. Das lässt sich am besten über vielfältige Praktika herausfinden.

Generell ist praktische Erfahrung das A und O im Agrarbereich. Eine starke Persönlichkeit, der Blick über den Tellerrand und Engagement außerhalb der Hochschule zählen bei Personalern mehr als Noten und Regelstudienzeit. „Herzblut und Authentizität sind ganz wichtig“, sagt Markus Ebel-Waldmann. „Unser Beruf ist immer ein Stück weit Berufung, das sollte auch im Lebenslauf deutlich werden.“

Unabhängig davon, in welchem Bereich sie arbeiten: Der Anspruch ist groß. „Agrarwissenschaftler sollten ausgeprägte technische und ökonomische Qualitäten mitbringen, die Sprache der Landwirte verstehen und einen großen Praxisbezug aufweisen“, sagt der VDL-Präsident. Neben Leidenschaft für den grünen Sektor gehören Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, selbstständiges Arbeiten und problemlösungsorientiertes Denken zu den Kernkompetenzen. Mehrsprachigkeit gilt inzwischen als Voraussetzung, da internationale Zusammenarbeit immer wichtiger wird.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, muss sich um seine berufliche Zukunft in der Regel keine Sorgen machen. Eine Studie der Uni Kiel belegt, dass gut die Hälfte der Absolventen einen Monat nach ihrem Abschluss die erste Stelle findet. Nach drei Monaten sind es bereits Dreiviertel. Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, da sich laut der Studie etwa die Hälfte der Absolventen erst unmittelbar vor Studienabschluss um einen Job bemüht.

Mit Blick auf den demographischen Wandel ist in den kommenden Jahren ein Fachkräftemangel zu erwarten, sagt der Berufsverband. Erneuerbare Energien sind nach wie vor ein wachsender Sektor, im Bereich Landtechnik fehlen schon jetzt gut ausgebildete Leute. „Qualitativ betrachtet, haben wir schon jetzt zu wenig Nachwuchs in der Branche“, sagt Ebel-Waldmann. Um Geld zu sparen, haben viele Hochschulen in den vergangenen Jahren fachspezifische Professuren etwa im Bereich Landmaschinentechnik eingespart. Darunter leidet die Lehre und somit die Ausbildung des Nachwuchses, beobachtet der VDL mit Sorge.“

Arbeitsmarkt-Umweltschutz-NaturwissenschaftenDer Artikel ist im Informationsdienst arbeitsmarkt Umweltschutz, Naturwissenschaften erschienen. Jede Woche werden mehrere hundert qualifzierte und aktuelle Stellenangebote aus dem Umweltbereich recherchiert und nach Tätigkeitsgebieten sortiert. Herausgeber ist der Wissenschaftsladen Bonn.

Comments

  1. Manfred Schuessel says:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin Dipl.-Ing.agr. (Uni Hohenheim, 58) und was Sie schreiben ist ein ausgemachter Blödsinn.
    Wer Agrarwissenschaften studiert, ist schlechter dran als ein Arbeiter in einer Fabrik, außer er ergattert eine der wenigen Stellen im höheren Staatsdienst, und diese Stellen kann man pro Jahr an einer Hand abzählen. Das ist so seit mehr als 30 Jahren.
    Wie blöd kann man sein mindestens 16 Jahre in die Schule und auf die Universität zu gehen um hinterher Düngemittel zu verkaufen. Da kann man doch besser mit 16 beim Landhandel eine Stelle antreten, das Abiturwissen hindert doch nur beim Verkauf.
    Schönen Tag noch!

  2. Jochen Flenker says:

    Sehr geehrter Herr Schuessel,
    ich kann Ihre Kritik leider nicht nachvollziehen. Vielleicht haben Sie sich seit Ihrem Abschluss mit der Berufsausbildung, den Absolventen als auch dem Berufsfeld zu wenig beschäftigt. Es gibt heutzutage mehr Jobs und Entwicklungsmöglichkeiten im Agrar- und Umweltsektor als je zuvor! Der VDL Film zeigt doch nur einen kleinen Ausschnitt. Eine Ausbildung bzw. ein Studium im Agrarbereich ermöglicht den Zugang zu vielen anderen Wirtschaftsbereichen. Als Beispiel seien der Bank- und Finanzsektor, die Fahrzeugindustrie oder auch die Politikberatung genannt. Wie Studien zeigen, liegen in diesen Bereichen die Einstiegsgehälter bereits über dem Bundesdurchschnitt.
    Wenn Sie meinen, dass der Außendienst im Agrar- und Gartenbausektor sich lediglich auf das Verkaufen von Dünger beschränkt, liegen Sie völlig falsch. Zum Verkaufen gehört eine eingehende und umfassende Beratung, welche sehr anspruchsvoll ist. Immerhin beraten Sie erfahrene Landwirte und Gärtner. Warum soll Abiturwissen und ein Studium bei einem Gespräch mit studierten Betriebsleitern hinderlich sein?
    Vielleicht informieren Sie sich nochmal über die aktuellen Anforderungenden im Agrar- und Gartenbausektor. Ein Besuch an Ihrem alten Campus in Hohenheim könnte ein Anfang sein. Die Kollegen dort bringen Sie sicher gerne auf den aktuellen Stand in der Agarwirtschaft.
    Schöne Grüße

    • A. Arnsdorff says:

      Sehr geehrter Herr Flenker,
      auch ich kann Ihre Auffassung nicht teilen. Ich bin 34 Jahre alt, habe Gartenbauwissenschaften (Bachelor), Pflanzenbauwissenschaften (Master) und Agrarökonomik (Master) studiert und wurde vor einiger Zeit promoviert. Die Noten waren durchweg sehr gut bis gut. Auch für meinen Fall gilt: wenn man nicht in der Wissenschaft bleibt (befristete Verträge, Ortswechsel etc.) hat man sehr schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Mehr als prekär entlohnte Beschäftigungsverhältnisse in Beratung oder Vertrieb sind da nicht drin. Zumal sich auch im Agrarbereich niemand um eine Frau im gebärfähigen Alter reisst. Noch eine kleine Anekdote zum Thema Bank- und Finanzsektor: kürzlich fragte ich bei einer Bank an, die Berater für ihre Agrarsparte suchte. Hier gab man mir kurz und knapp die Antwort, einen Agrarökonomen bräuchte man nicht. Besser wäre jemand, der eine Bankausbildung vorweisen kann. In den Agrarbereich könne man sich einarbeiten.
      Mit freundlichen Grüßen,
      Dr. A. Arnsdorff

  3. Susanne Kleber says:

    Sehr geehrter Herr Flenker,
    es ist definitiv nicht wahr, dass es so ein weites Arbeitsspektrum für Agraringenieure gibt; ich muss Herrn Schüssel teilweise recht geben, dass es nur wenige von uns gibt, die sich in den gehobenen Posten bei Behörden behaupten können; diese vakanten Stellen sind aber sehr eingeschränkt und mit vielen Bedingungen verknüpft.
    Einen Zugang zu vielen anderen Wirtschaftsbereichen, wie der Bank- oder Finanzsektor, die Fahrzeugindustrie oder auch die von Ihnen beschriebene Politikberatung hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn man bereits in jungen Jahren an der Universität mit seiner Diplom- bzw. jetzt Masterarbeit genau weiß, in welcher Branche man später arbeiten möchte und sein Netzwerk systematisch daraufhin aufbaut.
    Ist man dann noch eine Frau, alleinerziehend und dementsprechend nicht mobil für Vertriebstätigkeiten wird es noch schwieriger. Fast alle ausgeschriebenen Stellen konzentrieren sich definitiv auf Mobilitätsbereitschaft oder auf eine „Jahrelange Arbeitserfahrung“, die viele der jungen Agrarwissenschaftler einfach noch nicht auf dem Arbeitsmarkt anbieten können und so sind Umschulungen zu Steuerfachgehilfen oder Arbeiten im Niedriglohnsektor bzw. Hartz 4 vielfach Realität.
    Lebt man dann in einer Metropole wie Berlin, ist die Konkurrenz unter den Ingenieuren/Innen so hoch, dass man sich trotz Kontakte und networking wirklich fragt: „Warum habe ich diesen eigentlich wirklich interessanten Studiengang studiert, der mir aber nicht wirklich zu Lohn und Brot verhilft?“
    Viele Grüße aus Berlin von
    Susanne Kleber

    • Jan Strohschein (greenjobs.de) says:

      Hallo Frau Kleber,
      danke für Ihren Kommentar. Aus unserer Erfahrung und Beobachtung muss ich leider anmerken, dass die von Ihnen angerissenen Punkte nicht nur Agrarwissenschaftlern das „Leben schwer machen“ sondern auch vielen anderen Berufsgruppen – gerade dann wenn entsprechende Ausbildungsgänge eher generalistisch angelegt sind.
      Die Josuche in einer Metropole führt natürlich dazu, dass die Mitbewerber zahlreicher sind, gleichzeitig hat man aber den Vorteil, dass es zahlreiche Arbeitgeber und ggf. sogar andere interessante/verwandte Berufsfelder gibt.
      Viele Grüße aus Potsdam
      jan strohschein (greenjobs.de)

      • Susanne Kleber says:

        Sehr geehrter Herr Strohschein,
        vielen Dank für Ihre Antwort.
        Nur muss ich Ihnen leider auch in diesem Falle widersprechen, da das Studium der Agrarwissenschaften nun definitiv nicht generalistisch, sondern sehr speziell ausgelegt ist bzw. man sich durch entsprechende Hausarbeiten, Seminare und die dann anschließenden Bachlor- bzw. Masterarbeiten auf einen sehr genauen Fokus zur Themenauswahl konzentrieren muss (Pflanzenproduktion, Tiere/ Züchtung, Agratechnik etc.)
        Das Spektrum ist zwar weit gestreut, man muss sich aber im Masterstudium genau orientieren.
        Ich bin auch Ihrer Ansicht, dass in einer Metropole wie Berlin immer mehr Konkurrenz vorhanden ist, wie in anderen Regionen, jedoch liegt meiner Meinung nach das Problem ganz woanders.
        Frau Arnsdorff hat dies bereits dargestellt; selbst wenn man versucht, in die von Ihnen beschriebenen „interessanten/verwandten Berufsfelder“ wie den Bankensektor/Finanzen hineinzukommen, ist die Akzeptanz für uns Agraringenieure sehr gering.
        Es werden definitv eher BWLer oder VWLer bevorzugt.
        Meiner Meinung nach müssten bereits die Universitäten viel stärker versuchen, Studierenden die Möglichkeiten zu bieten, in Firmen mitzuarbeiten, z.B. in Form von Kooperationen mit den Unis. Diese existieren, sind aber definitiv zu gering für eine so große Anzahl an Studenten.
        Studiert man an der Uni, dann „lebt man in einer ganz anderen Welt“ und fühlt ständigen Druck, die ganzen Prüfungen erfolgreich zu absolvieren. Wären schon frühzeitig „Unternehmensangebote“ an der Uni vorhanden (in Form von Masterarbeiten, Prakika etc.), wäre eine frühere Orientierung und evt. Bindung an eine Firma oder Forschungseinrichtung besser zu realisieren und damit einen schnelleren Arbeitseintritt.
        Es fehlen also nicht nur mehr Akzeptanz diesen Studiengängen gegenüber, sondern auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Forschung, Politik und Wirtschaft.
        Viele Grüße aus Berlin.
        S. Kleber