„Raus aus dem Nischenmarkt der Überzeugungstäter“

Die Organisation Climate-KIC fördert mit verschiedenen Programmen grüne Geschäftsideen. Kommunikationschefin Sabine Arras erklärt, worauf sie bei der Auswahl achten, was Erfolgsfaktoren für grünes Gründen sind und was die Gründer mitbringen sollten.
Climate-Kic
Climate-KIC fördert Innovationen durch große und kleine sowie lokale und globale kreative Partnerschaften zwischen privatem, öffentlichem und akademischem Sektor. Ziel ist es, dem Klimawandel zu begegnen. Die Partner bringen ihre Branchenerfahrung ein und sind in nationalen oder regionalen Zentrum organisiert.

Sie fördern Gründer-Ideen im nachhaltigen Bereich. Wie schwer ist es, hier tatsächlich tragende Geschäftsmodelle zu finden, also solche, die auch unabhängig von Spenden und öffentlichen Geldern funktionieren?

Was sich langfristig trägt, hängt von vielen Faktoren ab und ist natürlich erst nach einigen Jahren wirklich beurteilbar. Wir sehen allerdings viele gute Ideen mit vielversprechenden Geschäftsmodellen, die sich daran ganz klassisch an Bedarf, Zahlungsbereitschaft und relevantem Markt orientieren. Wenn „Nachhaltigkeit“ zum alleinigen oder entscheidenden Verkaufsargument wird, ohne dass das Produkt ein spezifisches Problem löst, wird’s meistens schwierig. Dann bleibt man im Nischenmarkt der Überzeugungstäter hängen oder ist eben vielleicht einfach kein Business, sondern eher eine gemeinnützige Organisation, die sich auch über Spenden und Fördermittel finanziert. Die sind dann allerdings in der Regel nicht in unseren Programme zu finden.

Welche Projekte sind denn zum Beispiel aus Ihren Programmen hervorgegangen?

Im Start-up Bereich sind tado, Thermondo und ECF Farmsystems Namen, die man kennen könnte. Aus dem Bereich der Innovationsprojekte hat gerade der Global Calculator einige Aufmerksamkeit bekommen. An der Entwicklung war zum Beispiel die Climate Media Factory beteiligt, ein kleines Potsdamer Unternehmen.(Anmerkung: Ein Interview mit der Climate Media Factory gibt es hier.)

Gibt es Erfolgsfaktoren, die Sie im Laufe der Zeit ausmachen konnten?

Ja, das kann man schon sagen. Wichtig sind erstmal das richtige Netzwerk und brauchbare Kontakte, genauso wie ein gutes Team. Durchhaltevermögen, Iterationsbereitschaft hinsichtlich Idee und Geschäftsmodell und finanzielle Mittel zur Überbrückung von Durststrecken gehören ebenfalls dazu. Wichtig ist im Verlauf auch weiterhin die Kontaktfähigkeit.

Diese Anforderungen gibt es ja auch an Gründer allgemein. Was müssen grüne Gründer speziell mitbringen?

So sehr zu unterscheiden ist das auch nicht. Das Wichtigste ist der Wille, Unternehmer zu sein. Im noch engeren Cleantech-Bereich ist dann wohl noch mehr Ausdauer als bei anderen Gründungen gefragt und ein noch fokussierteres Expertennetzwerk.

Gibt es denn dann den typischen grünen Gründer?

Wir sehen drei Typen grüner Gründer: Die einen sind Gründer und entdecken ein Geschäft mit einer „grünen Idee“. Die anderen trägt die Motivation, etwas im Klimaschutz bewirken zu wollen, die bauen sich dann ein Geschäftsmodell um eine Idee. Und die Dritten entwickeln aus einer fachlichen Idee ein Geschäft.

Sabine Arras ist Leiterin Kommunikation bei Climate-KIC

Sabine Arras ist Leiterin Kommunikation bei Climate-KIC

Das Spektrum scheint ja dann doch sehr breit zu sein. Wann gilt für Sie eine Geschäftsidee als nachhaltig?

Man könnte es auf die Formel bringen: Klima-Impact multipliziert mit Skalierbarkeit plus Umsetzungsfähigkeit macht: ein vielversprechendes Konzept. Den Begriff Nachhaltigkeit verwenden wir eigentlich nicht, weil er so unspezifisch ist.

In welchem Stadium müssen Ideen sein, damit sie von bei Ihnen gefördert werden?

Kommt auf die Zielgruppe an. Bei den Studenten sind die Ideen natürlich ganz am Anfang. Da geht es uns aber auch eher darum, dem Nachwuchs Methoden und Tools an die Hand zu geben. Wir gehen nicht davon aus, dass aus den Ideen immer auch ein Business wird. Die Start Ups müssen natürlich weiter sein, ihre Idee und den Markt schon mal grundsätzlich durchdacht und überlegt haben, wie sie das angehen würden. Unser Programm dient dann der Beschleunigung die Idee zum Produkt und zum Markt zu bringen. Bei den Innovationsprojekten sollen schon ganz konkrete Ideen da sein, die dann noch zur Reife entwickelt werden.

Was würden Sie angehenden Gründern raten, wie sie ihre Ideen vorantreiben können? Können Sie hier Tipps geben?

Da zitiere ich gern Dr. Maura Kessel, unsere Accelerator Programm Managerin: Die empfiehlt immer, die Ideen direkt mit potentiellen Kunden zu besprechen, damit die Gründer nicht „das perfekte Produkt ihrer eigenen Welt“ entwickeln, sondern das auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkt. Um so schneller ein Prototyp oder sogar ein Pilot vorhanden ist, um so besser kann man das Produkt testen und weiter konzipieren. Und die Glaubwürdigkeit steigt, sobald etwas sichtbar geworden ist.

Eine Übersicht über alle Förderungen für Studenten, angehende und bereits aktive Unternehmer gibt es auf der Webseite von Climate-KIC.

Mehr Interviews, Geschichten und Ideen gibt es auf goodimpact.org.